Es ist himmlisch schöne Musik. Manchmal ist ein Klavier zu hören oder verschiedene Blas- und Streichinstrumente und noch vieles mehr. «Eine Symphonie», pflegte Max, der Älteste der Mannschaft zu sagen. Die Kinder waren überzeugt, dass keine Erwachsenen im Haus waren, ja, nicht mal Kinder - sie waren fest davon überzeugt, dass das Haus selber die Musik erklingen liess... Die Clique stand immer wie erstarrt vor dem Haus, wenn die Musikwelle anfing durch ihre Ohren zu tänzeln, denn es war jedes Mal ein Genuss wie Nutella aus dem Glas mit den Fingern zu essen.

Eines Tages sagte Monika, dass sie das geheimnisvolle Haus von innen sehen möchte. Der Rest der Clique schaute sich kurz an, und jeder willigte mit einem «ich auch!» ein. Es war ein sonniger Tag und keine Wolke war am Himmel zu sehen. Die Kinder näherten sich langsam dem grossen alten Haus. Wieder erklang die wunderschöne Musik. Mit jedem Schritt wurde die Musik lauter und die Neugierde der Kinder grösser. Vielleicht sind im Haus fliegende Klaviere, welche die Notenblätter herumspucken, und Dutzende von Geigen, die miteinander tanzen...

Als sie nur noch wenige Schritte von der riesigen Haustür entfernt waren, hörte die Musik auf zu spielen und aus dem Nichts ertönte eine freche Stimme: «Hei, ihr da, habt ihr Eintrittsbillets für das Haus?» Die Kinder erschraken, schauten sich um, und fragten sich, woher diese eigenartige Stimme kam. «Hei, hier unten bin ich!», fuhr die Stimme fort. Als die Kinder die Köpfe senkten, fingen sie an zu lachen. Die Stimme gehörte nämlich einem kleinen grünen Frosch mit schwarzer Krawatte und schwarzem Hut. «Was gibt es da zu lachen, Kinder? Habt ihr die Billets oder nicht? Wenn nicht, dann müsst ihr draussen bleiben.» Max sagte unsicher: «Nein, aber ich habe Süssigkeiten.» Moritz, der Zweitälteste, sagte scherzend: «Ja, und ich habe Mathematikaufgaben, die du mir lösen könntest», und alle fingen an zu lachen, nur der Frosch nicht, der sich langsam rot färbte vor lauter Aufregung. «Süssigkeiten nehme ich gerne an», antwortete der Frosch, doch bevor er sie eintreten liess, sagte er noch: «Folgt der Musik.»

Barbara, die Jüngste in der Clique, öffnete das Tor und ein starker Wind pfiff ihnen entgegen. Die Kinder mussten die Augen schliessen und konnten nur mit Mühe eintreten. Plötzlich schloss sich hinter ihnen mit einem Knall die Tür und der Wind verebbte. Vorsichtig öffneten die Kinder die Augen und sahen sich in der grossen Eingangshalle um. Sie war leer, der Boden war aus langen Baumstämmen gebaut und staubig war es auch. An den Ecken waren Spinnweben zu sehen und am Ende des Gangs war eine Treppe, die in den zweiten Stock führte.

 Ein Vogel flog durch ein Fenster in das Haus und pfiff ein Lied. «Wir sollen der Musik folgen!», rief Max. «Kommt Freunde, wir müssen dem Vogel folgen!» Der Vogel flog singend in den zweiten Stock und verschwand. Die Clique stieg vorsichtig die Treppe hinauf. Im zweiten Stock sahen sie eine Tür mit einem Schild: «Bitte eintreten». Sie öffneten die Tür. Die Kinder trauten ihren Augen nicht: Die Symphonie fing an lauter zu werden, Pinguine spielten Klavier, 20 Flamingos tanzten Tango, Braunbären spielten Bass, der Weisskopfadler war der Dirigent und hielt einen Stab in der Hand, Krokodile sassen auf Stühlen und spielten Geige. Und der Frosch, der zuvor an der Haustür gestanden hatte, war der Sänger. Die Kinder tanzten vor Freude, klatschten in die Hände und lachten. Es war wie in einem Traum, und es hatte vorher noch nie so schön geklungen.

Da verstummte die Musik. Es wurde langsam dunkel und an der Decke bildeten sich Sterne. Nur noch ein Scheinwerfer leuchtete auf den Frosch. Er näherte sich den Kindern, sah zu ihnen hoch und fragte: «Hat es euch gefallen?» «Ja!», antworteten sie. «Die Musik im Haus haben wir euch Kindern zu verdanken, wisst ihr das?» Die Kinder schauten sich fragend an und Moritz fragte schliesslich: «Warum?» Der Frosch nahm seinen schwarzen Hut vom Kopf, hielt ihn in seiner Hand fest und antwortete: «Weil ihr Kinder an Träume glaubt und ihr immer schlaft, wenn es dunkel wird. Die Erwachsenen hingegen gehen ständig spät ins Bett. Uns fehlt die Zeit, ein Lied zu komponieren. Ausserdem glauben sie nicht, dass Träume wahr werden können, aber wir sind eure Träume, wir leben auch!»

Barbara fragte: «Was sollen wir denn tun, damit das Haus weiter lebt und weiterhin Musik spielt?» Der Frosch antwortete: «Ihr müsst bald ins Bett, denn es wird dunkel, und wenn ihr etwas Schönes träumt, dann glaubt daran, und wir werden für immer, in alle Ewigkeit für euch spielen. Solange ihr an Träume glaubt, solange spielen wir, denn hier befindet sich das Haus der Träume. Gute Nacht, Kinder.»