«Was das wohl ist?» überlegte der Brunnen. «Das kenne ich gar nicht, ist das ein Verwandter von mir?» Dann aber dachte er nicht mehr darüber nach, denn die Schule war aus und viele Kinder umringten ihn.

Doch in der Nacht kam ihm das Wort wieder in den Sinn, und er dachte: «Ein Brunnen, der springen kann, das muss es sein! Das wäre doch schön, wenn ich nicht immer am gleichen Ort stehen müsste und etwas von der Welt sehen könnte! Wie viele Jahre bin ich jetzt hier und sehe jeden Tag das Gleiche. Ja, ich möchte auch springen und ein Springbrunnen sein!» Er wurde richtig traurig und das Wasser tröpfelte nur noch spärlich aus seiner Röhre.

Da schlug es Mitternacht, zwölf laute Schläge tönten vom Kirchturm herüber. Beim letzten Schlag hockte plötzlich ein kleines grünes Männchen auf der Brunnenröhre und kicherte: «Wünsch dir was, wünsch dir was, dann spring ich wieder ins grüne Gras.»

«Ich möchte springen können», plätscherte der Brunnen. Da fing der Trog an zu zittern und langsam vorwärts zu wanken, über den Platz, durch das Tor und auf die Strasse. Immer weiter ging es, immer schneller und schneller. Der Brunnen freute sich und wurde gar nicht müde. Es gab so viel zu sehen, denn der Mond schien und die Sterne leuchteten.

Endlich kam er an den Waldrand. Dort blieb er stehen um zu verschnaufen. Da begann auch das Wasser wieder zu fliessen. Plötzlich raschelte es im Gebüsch und ein Reh trippelte herbei und trank, dann schlich der Fuchs herzu, ein Häschen hopste her und langsam kamen alle Waldtiere hinzu und tranken von dem klaren Wasser. Der Brunnen hatte so viel zu sehen und zu staunen, dass er müde wurde und nicht mehr springen mochte. Er schlief einfach ein.

Am nächsten Morgen staunten die Schulkinder nicht schlecht, dass der Brunnen weg war und nur noch eine kleine Pfütze auf dem Platz lag. Niemand wusste, was geschehen war. Die Lehrer hatten keine Ahnung, der Abwart kratzte sich in den Haaren, der Polizist schüttelte den Kopf und der Briefträger vergass seine Post.

So verging ein ganzer Tag, und als es Abend wurde, erwachte der Brunnen. Er versuchte zu springen, aber alles tat ihm weh: Der Trog ächzte, die Röhre schepperte, das Wasser spritzte auf alle Seiten. Da blieb der Brunnen stehen und seufzte: «Wie schön wäre es jetzt auf dem Schulhausplatz!»

Plötzlich sprang das grüne Männchen auf den Rand, klatschte in die Hände und rief: «Wünsch dir was, aber schnell, sonst wird es schon wieder hell!» Und was sich der Brunnen wünschte, das wissen wir, denn am nächsten Morgen stand er wie gewohnt auf dem Platz vor der Schule. Natürlich freuten sich nicht nur die Kinder, aber sie am allermeisten, denn sie durften eine ganze Stunde am Brunnen spielen.

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