Darum ist sie heute Morgen einfach aus dem Gehege geschlüpft. Ganz vorsichtig, damit sie auch niemand sieht, ist sie ins erstbeste Gebüsch hinein. Am Ende der Hecke hat sie sich unter dem Zaun durchgezwängt und schon stand sie in Nachbars Garten. Es gibt ja so viel zu entdecken! Die gelbe Schaukel, die lange Rutschbahn, die Blumen auf der Wiese und mmhh, wonach duftet es denn hier? Rote Erdbeeren lachen Wilma aus dem Garten an. Sie macht sich gleich über die feinen Beeren her.


Nun ist es aber Zeit, die Umgebung auszukundschaften. Man hört ein lautes Hämmern - wo das wohl herkommt? Sie macht sich gleich auf den Weg, dem Lärm nach. Nebenan ist eine Baustelle, wo ein Haus gebaut wird. Die Geräusche kommen vom Inneren, aber auch aussen wird fleissig gearbeitet. Der Maler ist dabei, die Wände hellgelb anzustreichen. Wilma gefällt die Farbe sehr. Sie geht näher heran, um sie sich genauer anzuschauen. Als sie da so an der Wand steht und nach oben blickt, tropft Farbe auf ihren Panzer.

Später entdeckt sie einen Haselnussstrauch mit weichem Moos um den Stamm. Wilma ist sehr müde geworden von ihrer Entdeckungsreise, deshalb legt sie sich hin, um ein wenig zu schlafen. Sie ist noch gar nicht richtig eingedöst, da fällt plötzlich eine Nuss voll auf ihren Kopf. «Aua!» denkt sie noch, aber da schläft sie auch schon erschöpft ein.

Eine Stunde später erwacht sie aus dem Schlaf. Sie hat ein wenig Kopfschmerzen, sonst ist aber alles in Ordnung. Oder etwa doch nicht? Wilma kann sich gar nicht daran erinnern, wie sie hierher gekommen ist. Und wohin soll sie gehen? Ja, sie hat sogar ihren Namen vergessen! Durch den Schlag der Nuss hat sie eine Gehirnerschütterung und ihr Gedächtnis verloren.

Nachdem sie ein wenig umhergeirrt ist, trifft sie einen Marienkäfer. «Weisst du, wer ich bin?», fragt Wilma den Käfer. «Lass mich mal überlegen», antwortet er. «Du hast auch Punkte wie ich, aber deine sind heller. Du hast einen Kopf, vier Beine und einen Panzer. Ich habe so ein Tier wie dich noch nie gesehen. Es tut mir leid, ich kann dir nicht helfen.» Enttäuscht läuft Wilma weiter. Schon bald trifft sie einen Schmetterling. «Weisst du, wer ich bin?», fragt sie ihn. «Du hast zwar auch so schöne Punkte wie ich, aber kannst du auch fliegen?», fragt der Schmetterling. Und als Wilma verneint, fliegt er auch schon davon.

Auf einem Baum sitzt ein Tannenhäher. Wilma sieht seine gepunkteten Federn und hofft, dass er ihr weiterhelfen kann. «Du hast ja keine Federn und keinen Schnabel, ein Vogel bist du also nicht. Ich frage meine Freundin, die Eule, sie ist sehr weise und kann dir bestimmt weiterhelfen», sagt der Tannenhäher zu ihr. Er ruft nach der Eule und schon hört man sie herbeifliegen. «Kannst du mir sagen, wer ich bin?», fragt Wilma. Die Eule betrachtet sie genau. «Dein Aussehen kommt mir bekannt vor, aber deine Punkte passen nicht dazu. Was du bist, das weiss ich nicht, aber wo es ähnliche Tiere hat, das kann ich dir schon sagen.»

Wilma macht sich sofort auf den Weg in die gezeigte Richtung. Doch sie kommt nicht weit, denn plötzlich wird sie sanft hochgehoben. «Da bist du ja, mein kleiner Ausreisser», hört sie eine nette Stimme sagen: «Warum bist du denn so voller Farbe?» Ihre Besitzerin hatte Wilma schon lange gesucht. Sie ist sehr froh, dass sie sie wieder gefunden hat. Wilma bekommt zuerst einmal einen saftigen Salat zur Stärkung. Danach wird sie gebadet und ordentlich geschrubbt, damit die Punkte wieder vom Panzer verschwinden. Sie wird in ein weiches Strohlager gelegt und obwohl sie noch ganz aufgeregt ist, schläft sie vor Erschöpfung schnell ein.

Als sie am nächsten Tag erwacht, fällt ihr wieder alles ein. Ihre Artgenossen können es kaum erwarten bis sie zu erzählen beginnt, was sie erlebt hat. Und natürlich erzählt Wilma ihnen alles bis ins kleinste Detail.

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Quelle: Cobra Bubbles