Der frühere CVP-Nationalrat Peter Baumberger zeigt sich dankbar. Als seine Frau vor Jahren an Krebs erkrankte, wusste er als stark belasteter Politiker und viel beschäftigter Baujurist mit zwei damals halbwüchsigen Söhnen kaum mehr, wie es weitergehen sollte. Er gelobte, etwas Gutes zu tun, wenn Ehefrau Paola wieder gesund würde. Heute gilt sie als geheilt, und Baumberger erfüllt das vor gut zehn Jahren abgelegte Gelübde, indem er eine Kapelle bauen will.

Sie soll auf dem Chapf zu stehen kommen, einem der schönsten Aussichtspunkte in Amden. Heute steht dort ein alter Schopf, das Land liegt in der «Grünzone mit Schutzstatus» - es gilt ein absolutes Bauverbot. «Ich habe mit dem Gemeindepräsidenten verschiedene Bauplätze angeschaut, dieser wurde als ideal erachtet», so Baumberger. Also kaufte die «Kapellenstiftung Peter und Paola Baumberger» die rund 17'000 Quadratmeter Land auf dem Chapf. Das Bauverbot wird umgangen, indem auf Antrag des Gemeinderats 3'000 Quadratmeter für die Kapelle in eine neue «Grünzone für Erholungs-, Sport- und Parkanlagen» kommen sollen, den Rest schenkt Baumberger der Gemeinde.

Etliche erachten das als Schlaumeierei. So auch Susy Rohrer, die in der Nähe der geplanten Kapelle wohnt. Sie sammelte in kürzester Zeit 55 Unterschriften für einen Rekurs. «Die modern gestaltete Kapelle passt nicht ins Landschaftsbild», sagt Rohrer. Ein anderer Anwohner, Werner Winet, meint: «Es ist jedem seine eigene Sache, eine Kirche zu bauen, aber dann soll sie wenigstens zonenkonform sein.»

Muss das Bundesgericht entscheiden?

Der Gemeinderat sieht das Projekt hingegen mit Wohlwollen. «Wir glauben, dass es viele Leute gibt, die an einem solchen Ort Einkehr halten wollen», sagt Gemeindepräsident Thomas Angehrn, «weshalb das Projekt im öffentlichen Interesse liegt.» Dieser Meinung schloss sich auch das kantonale Amt für Raumentwicklung an. Eine Kehrtwende: Nachdem es in einer ersten Stellungnahme keine Chance sah, weil die Kapelle nicht zonenkonform ist, könnte es sich nun nach der Umzonung «eine Genehmigung vorstellen». Letztlich muss die Änderung des Zonenplans vom St. Galler Regierungsrat bewilligt werden. Ein harter Gegner des Projekts ist der St. Galler Heimatschutz, der sich gegen die schleichende Zersiedelung und gegen ständige Ausnahmen wendet. «Es geht nicht an», sagt Präsidentin Anita Zimmermann, «dass man mit einem Gelübde gesetzliche Grundlagen aushebeln will.»

Peter Baumberger wehrt sich gegen den Vorwurf, er beabsichtige, sich mit der Kapelle, die etwa 250'000 Franken kosten soll, ein Denkmal zu setzen. Trotz der Kritik hält er an seinem Vorhaben fest und würde notfalls - wie auch der Heimatschutz - bis vor Bundesgericht gehen. «Ich will mit diesem Ort der Stille etwas Gutes tun.» Er schränkt jedoch ein: «Wenn es seitens der Alteingesessenen starken Widerstand gibt, dann lasse ich es bleiben.»

Opponenten haben einen andern Verwendungszweck des Geldes gefordert, und den sieht die Stiftungsurkunde sogar vor. Falls sich das Vorhaben nicht innert angemessener Frist realisieren lässt, könnte man mit den Stiftungsmitteln auch «eine oder mehrere Kapellen, denen Denkmalqualität zukommt», renovieren. Und davon gibt es noch eine ganze Menge.

Quelle: Simone Broder
Anzeige