Kinder sind in allererster Linie eine Quelle der Freude. Wer kann sich schon dem Charme eines strahlenden Babys entziehen? Oder dem Stolz eines Vierjährigen, wenn er das erste Tor gegen seinen Vater geschossen hat? Oder dem Glücksgefühl einer Achtjährigen, wenn sie ihre Bastelarbeiten am Weihnachtsbasar verkaufen darf? Doch Kind sein ist heute weit schwieriger als vor 20 oder 30 Jahren.

Werfen Sie nochmals einen Blick auf die Titelseite. Und? Gut möglich, dass Sie dieses Bild an den einen oder anderen Schabernack erinnert, den Sie sich in jungen Jahren leisteten. Im schlechtesten Fall gabs vielleicht eine Rüge: «Lass das!» Heute heisst es im schlechtesten Fall: «Lassen Sie Ihr Kind abklären!»

Unser Nachwuchs wird mehr und mehr auf (vermeintliche) Defizite reduziert: Bewegungsstörungen, Sprachstörungen, Lernstörungen, Verhaltensauffälligkeiten. Bald die Hälfte aller Kinder wird früher oder später auf mögliche «Defekte» durchleuchtet - mit einschneidenden Folgen für das Selbstbewusstsein, wie Thomas Grether in der Titelgeschichte zeigt (siehe Artikel zum Thema «Kindergarten und Schule: Welches Kind ist heute noch normal?»).

Gewiss, in einer Welt von Wettbewerb und Leistungsdenken ist es für Eltern immer anspruchsvoller, sich den täglichen Vergleichen zu entziehen: «Was, Ihre Kleine kennt noch keine Zahlen? Unsere Tochter schafft es bereits bis 10!» Was solls? Hier ist Gelassenheit gefragt. Und die Überzeugung, dass die besten Fördermittel in der Familie zu finden sind: Liebe, Aufmerksamkeit, Zeit. Auf dass Kinder oder Enkel möglichst früh und dauerhaft das Bewusstsein entwickeln können: «Ich bin gut, so wie ich bin.»

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