Manche Vereine sind so kompliziert gestrickt, dass die Mitglieder einen Grossteil ihrer gemeinsamen Zeit darauf verschwenden, Statutendiskussionen zu führen oder Strukturdebatten auszufechten.

Beim Kochklub «Lehmbode-Chuchi» für – sagen wir: reife Männer ab 50 – ist das anders. Zwar gerät auch bei den Hobbyköchen der eigentliche Vereinszweck gelegentlich aus dem Fokus. Aber vor allem aus praktischen Gründen; die Küche in einem Stadtzürcher Gemeinschaftszentrum, wo sich die 14 Männer einmal im Monat treffen, ist so klein, dass höchstens drei Leute zeitgleich am Herd stehen können.

Und was macht der Rest? Genau: Der widmet sich dem anverwandten Vereinszweck, der da lautet: «Pflege der Kameradschaft und Freundschaft». Am liebsten bei einem Glas Wein oder zwei.

Und damit hätten wir auch bereits die eingangs gestellte Frage beantwortet: Der Wille, im fortgeschrittenen Alter kochen zu lernen, mag die Männer ursprünglich zusammengeführt haben. Was sie zusammenhält, ist aber vor allem das freundschaftliche Band.

Und das ist flexibel. Muss es auch sein. Denn die vereinsinternen Schwankungen, was die Qualität der aufgetischten Speisen betrifft, seien bisweilen gross. «Nicht alle Mitglieder nehmen das Kochen gleich wichtig», erklärt Toni Roth. Der Verein hält das aus. Bis heute hat noch keiner frustriert den Löffel an den Nagel gehängt, wenn er am Ende des Abends für das Ergebnis nur mittelmässige Kritiken erhielt. Denn: Wer nicht gut kocht, kennt sich dafür vielleicht bei Weinen aus oder ist sonst ein gmögiger Typ. Im Fachjargon heisst das: In der «Lehmbode-Chuchi» findet jeder Topf einen Deckel.

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Es sei denn, er ist weiblich. «Frauen haben in unserem Verein nichts zu suchen», heisst es unisono. Überhaupt seien Frauen an ihren Abenden kein Thema – «nicht einmal in Witzen», versichert Karl Schaub. «Nur einen» haben sie dann doch: «Ich bin nie fremdgegangen. Ich habe alle gekannt.»

Dazu passt, dass es eben doch die Frauen sind, um die sich letztlich auch hier alles dreht. «Früher hat immer meine Frau gekocht, wenn es darauf ankam», sagt stellvertretend dafür Jack Fässler. Nun sei es umgekehrt. «Sie ist immer begeistert, wenn ich koche.» Mann sei eben nie zu alt, um Frau zu verwöhnen; das ist doch mal ein Kompliment an das andere Geschlecht.