Jeden Abend das gleiche Theater: Die siebenjährige Julia will nicht mehr in ihrem Bett schlafen. Sie trödelt beim Zähneputzen und kommt auf immer neue Ideen, warum sie noch nicht zu Bett gehen soll. Ist es der Mutter oder dem Vater dann endlich gelungen, sich nach der Gutenachtgeschichte aus dem Kinderzimmer zu schleichen, schreit Julia: «Mama, unter meinem Bett sitzt eine riesige Kröte, die mich fressen will. Komm schnell.» Alle Beruhigungsversuche helfen nichts, die Kleine ruft so oft, bis die Eltern entnervt aufgeben und ihrer Tochter erlauben, in ihrem Schlafzimmer zu schlafen.

Solche oder ähnliche Szenen kennen viele Eltern, sind dabei aber oft ratlos, weil sie sich nicht erklären können, woher diese übertriebene Angst kommt. Automatisch beginnt man sich in einer solchen Situation zu fragen, ob man etwas falsch gemacht hat.

Meist flieht das Monster von selbst

Keine Sorge, dem ist in den meisten Fällen nicht so. Denn Angst zu haben gehört zur normalen Entwicklung. Kann das Kind sie überwinden, gewinnt es Vertrauen ins Leben. Tatsächlich gibt es fünf entwicklungsbedingte Angstformen: die Körperkontaktverlustangst, das Fremden, die Trennungs- und Verlustangst, die Vernichtungsangst und schliesslich die Todesangst - die Kinder werden in ihren ersten Lebensjahren immer wieder damit konfrontiert. Je nach Persönlichkeit, Sensibilität und Phantasie äussern sich solche Ängste mehr oder weniger stark. Tröstlich ist, dass entwicklungsbedingte Ängste, wie die Furcht vor Monstern, in der Regel mit der Zeit verschwinden oder schwächer werden.

Mitleid ist fehl am Platz

Allerdings ist es wichtig, dass Sie auf die Symbole und magischen Bilder Ihrer Jüngsten eingehen. Am ehesten verschwindet Julias Monster, wenn sie das Gefühl hat, dass die Erwachsenen ihr zuhören und sie in ihrer Angst ernst nehmen. Kuscheln und Trösten helfen, hingegen hilft der Vorschlag, das Monster selber zu vertreiben, weniger. Mitleid ist ebenfalls nicht angezeigt. Die Eltern sollten Julia besser ermutigen, sich konstruktiv an der Lösung des Problems zu beteiligen. Das gelingt durch Fragen wie: «Wie können wir sehen, dass das Monster wirklich unter deinem Bett lebt?» Vielleicht weiss Julia, dass ihre Kröte Schoggistängel mag. Wenn das Mädchen dann viele davon um das Bett legt und diese jeden Morgen noch dort sind, kommt langsam die Überzeugung, dass die Kröte verschwunden ist. Es kann auch sein, dass Julia einen Zauberstein oder einen Stoffraben hat, der sie bewacht und die Kröte fernhält. Vertrauen Sie darauf, dass Ihr Kind die Eigenart seiner Monster kennt und genau weiss, was zu tun ist.

Komplexer und auch schwerwiegender sind sogenannte erziehungsbedingte, soziale Ängste, deren Ursachen meist im Elternhaus zu finden sind. Sie äussern sich oft in körperlichen Beschwerden oder auch in schwierigen, zum Teil regressiven Verhaltensweisen der Kinder wie zum Beispiel Bettnässen, Aggressionen, Rückzug oder Stottern. Verschwinden Ängste nicht, ist es ratsam, sich an eine Erziehungsberatungsstelle oder an einen Kinderpsychologen zu wenden.

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