Die einen legen das aufgeschlagene Buch konsequent wieder an seinen Platz zurück, die anderen brauchen ein Durcheinander auf ihrem Schreibtisch, um kreativ arbeiten zu können. Egal, zu welchem Typ Eltern sie gehören, bei ihren Kindern sind sie darauf erpicht, ihnen Ordnung beizubringen. Schliesslich gilt Ordnung nach wie vor als eine wichtige Tugend oder zumindest als eine nützliche, um den Alltag zu bewältigen. Nach dem Motto «Ordnung ist das halbe Leben» versuchen Eltern ihr Bestes, chaotische Zustände im Kinderzimmer zu verhindern. Oftmals vergebens, und so bleibt es bei zahlreichen Aufforderungen, den Saustall endlich aufzuräumen. Dieses tägliche Mahnen nervt zwar, doch erweisen Mütter und Väter ihren Kindern keinen Dienst, wenn sie an deren Stelle Ordnung schaffen. Denn: Kinder sollen lernen, selber aufzuräumen.


Ein bisschen Schwein darf sein

Bloss müssen sich Eltern auch bewusst sein, dass ihr Nachwuchs ein bestimmtes Quantum Chaos braucht, um Kreativität, Konzentration und Ausdauer im Spiel zu entwickeln. Bauklötze sollen stehen bleiben können, der Stapel Tücher in der Ecke zum Verkleiden erlaubt sein. Kinder müssen sich in ihrem Reich wohl fühlen. Das schliesst mit ein, dass die Erwachsenen die Ordnungsvorstellungen und Vorlieben der Kinder respektieren und ihnen zugestehen, dass sie ihre eigenen Aufräumstrategien entwickeln können. Mit folgenden Tipps kann die vermeintlich lästige Arbeit sogar Spass machen:

  • Helfen Sie beim Aufräumen oder machen Sie daraus ein Spiel. Kinder entwickeln nicht selten Freude am Sortieren und Ordnen, wenn sie aktiv ihre Ideen mit einbringen können.
  • Sorgen Sie für genügend Stauraum, stapelbare Kisten et cetera. So erhält jedes Spielzeug seinen Platz, und das Aufräumen fällt leichter.
  • Lassen Sie Ihrem Kind Zeit, sein Spiel zu beenden und dann aufzuräumen. Es schafft Klarheit, wenn Sie sagen: «In zehn Minuten essen wir. Bis dann musst du aufgeräumt haben.»
  • Gemeinsames Aussortieren und gründliches Ausmisten kann für Ihre Sprösslinge und auch für Sie befreiend wirken.
  • Manchmal schafft es neue Anreize zum Aufräumen, wenn Sie gemeinsam das Zimmer umstellen, den Raum in der Lieblingsfarbe Ihres Kindes streichen und speziell gestalten.
  • Achten Sie darauf, dass vor allem bei Jüngeren das Zimmer nicht aus allen Nähten platzt, kaufen Sie Spielzeug nach dem Motto «Weniger ist mehr».
  • Lassen Sie keine allzu grossen Zeiträume verstreichen und legen Sie gemeinsam einen festen Aufräumtag in der Woche oder im Monat fest. Auch ein angekündigter Besuch der Grosseltern etwa kann motivierend wirken.
  • Teilen sich Geschwister das Zimmer, achten Sie darauf, dass jedes Kind zumindest seine eigene Ecke hat.
  • Vertreten Sie klare Regeln und Aufgaben und fordern Sie nie mehr, als Sie selbst vorleben.
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  • Jan-Uwe Rogge: «Ohne Chaos geht es nicht. 13 Überlebenstipps für Familien»; Rowohlt, 2001, 192 Seiten, CHF 15.90
  • Matthias Sodtke, Steffen Butz: «Chaos im Kinderzimmer»; Lappan, 2007, 40 Seiten, CHF 20.90
  • Brigitte Raab: «Warum muss ich das? Von Aufräumen bis Zähneputzen»; Oetinger, 2006, 32 Seiten, CHF 18.90