Sieben Uhr, der Wecker klingelt. Es ist schon hell draussen, der sechsjährige Leon und sein Bruder Bela, 5, sitzen am Tisch und essen ihr Müesli. Die kleine Salome, 2, kann es sich noch etwas gemütlich machen. Papa ist zu Hause, Mama geht arbeiten, und die zwei Buben machen sich nach dem Frühstück auf den Weg in die Schule und den Kindergarten. Die Eltern der drei arbeiten Teilzeit. Ein Glück für sie selber und für die Kinder, sagen sie.

Väter, traut euch zu fragen!

Zugegeben, die Teilzeitstellen vor allem für Männer sind in der Schweiz rar, aber immerhin steigt die Quote stetig. So arbeiteten laut Bundesamt für Statistik Ende des letzten Jahres 13,8 Prozent der Männer und 58,5 Prozent der Frauen Teilzeit. Im Vergleich zu beispielsweise den Nieder­landen hat die Schweiz zwar noch grosses Entwicklungspotential, aber es kommt ­Bewegung in den Arbeitsmarkt.

Daniel Huber, der Geschäftsführer der Fachstelle «Und» (www.und-online.ch) für Familien- und Erwerbsarbeit für Männer und Frauen, ruft junge Paare zu mehr Mut auf, Teilzeitstellen einzufordern. «Oft ­trauen sich Väter nicht, weil ihnen die Vorbilder fehlen oder weil sie befürchten, sie gälten als zu wenig motiviert», so Huber. Arbeitgeber schliessen daraus, die Reduktion des Pensums sei gar kein Thema.

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Aber nicht nur die Teilzeitjobs und eine ausgefeilte Organisation des Familienalltags sind wichtig. Die Paarbeziehung und die Erfüllung eigener Bedürfnisse dürfen nicht vernachlässigt werden. Ein Balanceakt, der durchdacht sein will.

Von Anfang an haben die Eltern von Leon, Bela und Salome darauf geachtet, regelmässig als Paar etwas zu unternehmen. Und dass auch jeder mal allein oder mit Freunden in den Ausgang geht. Das trägt zur Ausgeglichenheit im Familien­alltag bei. Zum Glück helfen Grosseltern, Nachbarn, Kinderkrippe und Hort mit, die organisatorischen Probleme zu meistern. Und die Kinder profitieren davon, sind sie überzeugt.

Weitere Tipps, die Eltern helfen kön­nen, den Alltag in den Griff zu bekommen:

  • Prioritäten setzen bringt Entspannung: Was ist wirklich wichtig? Die super aufgeräumte Wohnung oder das Spielen mit den Kindern? Perfekte Eltern, erfolgreiche Karrieremenschen, Super-Partnerschaft und ein Vorzeigehaushalt sind ­illusorisch. Kompromisse sind angesagt!

  • Verantwortung übertragen hilft: Jedes ­Familienmitglied hat ein Ämtli – Abfall entsorgen, Geschirr abräumen oder den Tisch decken.

  • Planen ist das halbe Leben: Ohne Freiräume und Puffer für Unvorhergesehenes und Schönes geht es aber nicht.

  • To-do-Listen schaffen Ordnung: Das können Listen an der Wand sein oder auch kleine Post-it-Kleber. Nach Erledigung können sie genussvoll zerknüllt werden.

  • Entrümpeln befreit: Etwa ein- bis zweimal im Jahr sollte man die Wohnung nach Unbrauchbarem durchstöbern. Auch Verhaltensweisen sind gelegentlich zu entrümpeln: Müssen die Kinder wirklich zum Klavier- oder Judounterricht gefahren werden?

  • Gewohnheiten geben Sicherheit: Wer täglich ritualmässig eine Viertelstunde durch die Wohnung wirbelt und sauber macht, schafft die Basis für eine Grundordnung.

  • Kleine Schritte wirken Wunder: Nicht zu viel erwarten, sondern sich auch über kleine Erfolge freuen.
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Buchtipp

Cordula Nussbaum: «Familien-Alltag sicher im Griff»; Graefe und Unzer, 2004, 128 Seiten, CHF 23.90