Schlafanzug anziehen, Zähne putzen, Hugo, das Stoffnilpferd, unter den Arm klemmen und ab ins Bett. Doch dann: Kaum ist das obligatorische Gutenachtlied zu Ende und der Gutenachtkuss auf der Backe der einjährigen Carla noch nicht trocken, hält ohrenbetäubendes Gebrüll die Eltern davon ab, die Kinderzimmertür endgültig zu schliessen. Einmal mehr hat es nicht geklappt. Carla will einfach nicht einschlafen. Also gilt es wieder, die halbe Nacht mit dem quietschfidelen Kind auf dem Arm auf und ab zu gehen, bis es endlich eingeschlafen ist.

Andere Eltern lassen sich immer wieder neue Kniffe einfallen, damit ihre Sprösslinge einschlafen. Sie setzen kurz den Staubsauger in Betrieb, fahren dreimal mit dem Auto um den Block oder singen Gutenachtlieder bis zum Gehtnichtmehr.

Die Eltern von Carla geben sich alle erdenkliche Mühe. Sie achten darauf, dass die Kleine an die frische Luft kommt und das Zimmer gut gelüftet ist. Sie vermeiden jede Aufregung am Abend und greifen immer zur gleichen Zeit zum gleichen Ritual. Nilpferd Hugo ist immer mit von der Partie. Trotzdem: jeden Abend das gleiche Theater.

Geht es Ihnen ähnlich? Dann versuchen Sie es doch einmal mit dem Stufenplan des amerikanischen Kinderarztes Richard Ferber. Voraussetzungen sind: Ihr Kind ist älter als sechs Monate, weder krank noch am Zahnen, und in Ihrer Familie gibt es keine besonderen Krisen. Die Methode ist so einfach wie wirkungsvoll, setzt aber Konsequenz und Durchhaltevermögen voraus.

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Stufe 1: Sie legen Ihr Kind ins Bett. Nach dem Gutenachtritual und dem Gutenachtkuss verlassen Sie das Zimmer. Die Tür darf einen Spalt breit offen bleiben. Das kann im späteren Alter wichtig sein.

Stufe 2: Ihr Kind weint. Sie warten drei Minuten, gehen wieder ans Bett, streicheln und reden: «Es ist Schlafenszeit…» Sie gehen wieder, ohne das Kind hochzuheben.

Stufe 3: Ihr Kind weint. Sie warten fünf Minuten, gehen wieder ans Bett, streicheln, reden ihm gut zu, gehen wieder, ohne das Kind hochzuheben.

Stufe 4: Ihr Kind weint, Sie warten sechs Minuten, gehen

Stufe 5: Ihr Kind weint, Sie warten sieben Minuten, gehen

Stufe 6: Sie dehnen die Wartezeit bis auf zehn Minuten aus und schauen dann ein paar Mal alle zehn Minuten vorbei. Natürlich ist es auch möglich, bereits ab Stufe 5 alle sieben Minuten ins Zimmer zu gehen.

Stufe 7: Ihr Kind wird ruhiger und schläft schliesslich ein.

Auch wenn diese Vorgehensweise anstrengend und fürs Kind hart erscheinen mag, weiss es doch immer, dass Sie da sind. Es wird bald, spätestens nach zwei Wochen, lernen, allein einzuschlafen. Ein Einschlafprotokoll hilft für die Analyse, was geklappt hat und was nicht. Haben Sie Bedenken, die Auszeiten seien zu lang, passen Sie den Rhythmus Ihrem Empfinden an. Sie können die Auszeiten erst allmählich ausdehnen oder länger trösten. Wichtig: Bleiben Sie konsequent. Achten Sie darauf, dass Sie – und nicht das Kind – bestimmen, wie oft und wie lange Sie zu ihm gehen und wie lange Sie bleiben.

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Die Eltern von Carla haben den Stufenplan umgesetzt. Alle Beteiligten profitieren davon. Seither kann Carla in der Regel allein und zufrieden einschlafen. Ihre Eltern geniessen die abendliche Ruhe und finden sogar ab und zu Zeit für gemeinsames Ausgehen. Selbstverständlich nur, wenn ein Babysitter verfügbar ist.

Buchtipp

Annette Kast-Zahn, Hartmut Morgenroth: «Jedes Kind kann schlafen lernen» (Methode nach Richard Ferber); Verlag Gräfe und Unzer, 2011, 176 Seiten, CHF 18.40