Julia ist sauer. Ihre Eltern verbieten Computerspiele zwar nicht, aber eine Kindersicherung beschränkt die Spielzeit neuerdings auf sieben Stunden pro Woche. Ist die Zeit um, fährt der Computer automatisch herunter und lässt sich nicht wieder starten. «Er schaltet einfach ab, auch wenn ich noch mittendrin bin», schimpft die 13-Jährige. Am liebsten spielt Julia das Simulationsspiel «Die Sims» - eine virtuelle Familienwelt, die sie auch selber mitgestaltet hat. Sie könnte Stunden um Stunden damit verbringen, und genau da sehen ihre Eltern, Bettina und René Weishaupt, das Problem: «Unsere Tochter taucht derart ein in diese Welt, dass sie jegliches Zeitgefühl verliert.»

Zunächst versuchte die Familie, sich auf Regeln und Spielzeiten zu einigen, aber das hat nicht funktioniert. Julia und ihr jüngerer Bruder Vinzenz überzogen ständig. «Es war halt so spannend, dass wir gar nicht mehr auf die Uhr schauten», sagt der Elfjährige, der auf Autorennen steht. Den Eltern aber war das zu viel. «Unsere Kinder sollen nicht nur noch am Bildschirm kleben, sondern auch draussen spielen», sagt Vater Weishaupt. Deshalb installierte er die Kindersicherung. «Sie hilft, konsequent zu bleiben.»
 

 

Eltern sollen auch mal mitspielen

Computer- und Videospiele sorgen in vielen Familien für Zündstoff. Eltern finden es oft befremdlich und verwerflich, dass ihr Nachwuchs die Freizeit mit virtuellen Helden verbringt, allenfalls sogar in die Rolle eines bewaffneten Kriegers schlüpfen. Kinder und Jugendliche hingegen lieben solche Bildschirmspiele. Sie haben dem Fernseher als beliebtestem Medium den Rang abgelaufen. Für den Zürcher Medienpädagogen Daniel Süss ist klar, was Kids daran so fasziniert: Kinder und Jugendliche können ins Spielgeschehen eintauchen, aktiv mitmachen: «Viele Jugendliche haben Expertenwissen und spielerisches Können entwickelt, mit dem sie sich untereinander sportlich messen und viel Spass haben.»


Was aber sollen Eltern tun, die das schwer akzeptieren können? Genau hinschauen, sich inhaltlich damit auseinandersetzen, empfiehlt Süss. Bei Bildschirmspielen reiche es nicht, sich mit Pauschalurteilen zufriedenzugeben - weder mit negativen noch mit positiven. Eine gute Methode sei, sich von den Kindern das eine oder andere Spiel erklären zu lassen und auch mal eine Runde mitzumachen. Kinder würden dann sehen, dass ihr Hobby nicht kategorisch abgelehnt wird. Eltern wiederum können kritisch mitreden, wenn von «Lara Croft» oder «Super Mario» die Rede ist. Zudem: Väter und Mütter, die Bescheid wissen, können ihren Kindern erklären, warum sie bestimmte Spiele ablehnen und andere gut finden. So unterstützen sie ihren Nachwuchs, geeignete Spiele zu finden und vernünftig damit umzugehen.

Auch der Vater von Julia und Vinzenz liess sich die Spiele erklären. Sein Fazit: «Einen allzu grossen Nutzen sehe ich zwar nicht darin, aber es ist zeitgemässe Unterhaltung und so gesehen auch in Ordnung.» Damit ein Spiel ins Haus komme, müsse sein Inhalt jedoch kindergerecht sein. Und die erbarmungslose Zeitlimite dürfen Julia und Vinzenz auch beim harmlosesten Spiel nicht überziehen.
 

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Vereinbaren Sie mit Ihren Kindern, wann sie den Computer nutzen dürfen. Achten Sie darauf, dass die Abmachungen eingehalten werden. Ein Medienplaner kann dabei helfen. In die Tabelle wird eingetragen, wie wie viel Zeit Ihre Kinder täglich vor dem Bildschirm verbringen. Empfohlen: für Kinder von drei bis sechs Jahren maximum 30 Minuten. Bei Sieben- bis Elfjährigen nicht mehr als 60 bis 90 Minuten. Ab zwölf Jahren maximal zwei Stunden. Auch ein «Vertrag» zwischen Kindern und Eltern kann hilfreich sein. Während sich das Kind verpflichtet, nur das zu spielen, was für sein Alter freigegeben ist, versprechen Eltern, sich für die Spiele zu interessieren und auch mal mitzumachen. (Empfehlungen aus dem Buch-Ratgeber «Computer- und Videospiele. Alles, was Eltern wissen sollten»; Herbig-Verlag)

Kindersicherungen beschränken die Spielzeit und schützen vor Web-Inhalten, die nicht für Kinder geeignet sind. Programme gibt es bei

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Achten Sie auf Altersangaben. Ein Spiel, das erst ab 18 freigegeben ist, gehört nicht ins Kinderzimmer. Vorsicht: Auch Spiele ab 16 Jahren können Kampf- und Kriegsszenen enthalten. Medienpädagoge Daniel Süss: «Spiele sind nicht nur dann ungeeignet, wenn sie Gewalt, Sex oder Rassismus enthalten, sondern auch wenn sie das Kind intellektuell oder technisch überfordern.» Kinder gleichen Alters können sich aber in ihren Interessen und Kompetenzen stark unterscheiden. Deshalb ist es wichtig, für das jeweilige Kind passende Spiele zu finden. Wertvoll sind etwa jene, zu denen es Bücher gibt. So kann der Spass vom Spiel aufs Lesen übergehen. Spiele-Empfehlungen gibt es unter www1.fh-koeln.de/...

Computerspiele sollten nicht dafür herhalten, Frust und Misserfolge im richtigen Leben zu kompensieren oder zu verdrängen. Ein intensives Spielverhalten kann auf ernsthafte Probleme hindeuten.

Nicht jeder Teenager, der täglich ein paar Stunden am Computer verbringt, ist süchtig. Bei folgenden Verhaltensmustern sollten Eltern aber handeln: Das Kind vernachlässigt Dinge, die ihm früher wichtig waren, auch Freundschaften. Es will jede freie Minute am Computer oder mit der Spielkonsole verbringen. Es möchte das Spielen reduzieren, schafft es aber nicht. Fragebögen zum Suchtverhalten gibt es unter www.verlag-hanshuber.com/...

Tauschen Sie sich mit anderen Eltern aus und erfahren Sie von ihnen, welche Erfahrungen sie mit Computer- und Videospielen gemacht haben. Seien Sie wachsam, ob in der Schule oder im Freundeskreis Spiele kursieren, die nicht jugendfrei sind.

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Initiative

Die Pro Juventute fordert Bundesrat und Parlament mit der Petition «Stopp der (un)heimlichen Gewalt» auf, eine nationale Zertifizierungsstelle für Unterhaltungsmedien zu schaffen. Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, dass auch Eltern in der Kompetenz im Umgang mit Unterhaltungsmedien gefördert werden. Weitere Infos und den Petitionsbogen zum Ausdrucken finden Sie unter www.pro-juventute.ch/...
 

 

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