Als die 13-jährige Ramona ein Baby bekam, löste dies eine breite Debatte aus: Wurde sie denn nicht aufgeklärt?

Erzieher taten sich immer schwer mit der Aufklärung. Zu Beginn bestand «geschlechtliche Erziehung» einzig darin, Heranwachsenden christliche Sittlichkeit anzudrillen. Sexualerziehung war Triebunterdrückung und Abschreckung, nicht Anleitung zu selbstbestimmter, angstfreier Sexualität. Ziel sei, «des Kindes Phantasie u. Aufmerksamkeit vom Gebiete des Sexuellen fernzuhalten», hielt das «Lexikon der Pädagogik» 1913 fest. Damit der Trieb sich auch später «nicht betätigt ausser in der durch die Natur u. das göttliche Gesetz erlaubten Weise». Statt Infos gabs Leibesübungen, «Abhärtung durch kaltes Waschen» und Anti-Onanie-Kampagnen. Noch um 1960 hiess der Rat, Auskunft erst zu geben, wenns nicht anders ging – botanisch verbrämt.

In die Lehrpläne kam Sexualkunde in den siebziger Jahren, nicht zuletzt, weil Eltern überfordert waren. Für die Schule ist die Aufgabe heute noch heikler geworden. Alle kulturellen Differenzen, elterlichen Versäumnisse und gesellschaftlichen Enthemmungen kann sie nicht ausbügeln.