Carla schaut verträumt aus dem Fenster und lächelt vor sich hin. «Hallo, Carla. Hallo? Hast du deine Schwimmsachen jetzt endlich aufgehängt?», versucht es ihre Mutter zum dritten Mal, bis ihr zu dämmern beginnt, was mit ihrer Tochter los ist: Sie ist total verliebt.

Völlig neu sind diese Gefühle auch für Carla. Sie realisiert, dass die plötzliche Appetitlosigkeit und das Kribbeln im Bauch mit ihren Gedanken zu tun haben, die sich immer bloss um die eine Person drehen - nämlich um ihn, den Knaben aus der Schule mit dem süssen Lächeln. Doch es ist nicht mehr wie früher, als sie ihren Eltern praktisch alles erzählte. Nun verspürt sie überhaupt kein Bedürfnis, mit ihnen über ihren seltsamen Zustand zu sprechen. Papa oder Mama davon berichten? Bloss nicht! Das wäre zu peinlich.

Diese Verschlossenheit und der Gedanke, dass ihr Kind nun seine ganze Energie auf eine Person konzentriert statt zum Beispiel auf die Schule, macht vielen Eltern Mühe. Doch falls sich Ihre Tochter oder Ihr Sohn gerade so verhält: Bleiben Sie gelassen. Denken Sie doch mal an Ihre eigene erste Liebe zurück: War sie zauberhaft, geheimnisvoll und kindlich? Oder abenteuerlich, verboten und reizvoll? Auf jeden Fall fühlte es sich doch gut an. Also freuen Sie sich für Ihr Kind und löchern Sie es nicht mit Fragen. Denn die erste Verliebtheit ist eine intime Angelegenheit. So privat, dass niemand wirklich Zugang hat - nicht einmal die engste Freundin, die auch nicht viel mehr als den Namen des Knaben erfahren wird.

An Sex denken sie nicht

So überwältigend sich die erste Liebe auch anfühlt, meist bekommt der oder die Angebetete nichts davon mit. Und falls doch, ist eine erste Annäherung mit viel Aufregung und Verlegenheit verbunden. An Sex denken die meisten Mädchen und Knaben in diesem Moment nicht. Noch nicht.

Sicher ist: Thema wird die Sexualität bestimmt, auch wenn er oder sie nicht darüber spricht. Was können Sie als Mutter oder Vater also tun? Bleiben Sie offen und hören Sie Ihrem Kind gut zu - Toleranz ist gefragt! Begleiten Sie Ihre Tochter zum Gespräch mit der Gynäkologin. Reden Sie über Verhütungsmassnahmen und Aidsprävention. Vereinbaren Sie Besuchsregeln für den Freund oder die Freundin. Und erzählen Sie Ihrem Kind auch von Ihren eigenen Erfahrungen. Bringen Sie ihm auf jeden Fall Verständnis entgegen - und spenden Sie bei Liebeskummer Trost.

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