Gehören Sie zu dem Fünftel der Schweizer Bevölkerung, der Erfahrung mit Cannabis hat? Und wie halten Sie es mit Tabak, Alkohol und Medikamenten? Und was sagen Sie Ihren Kindern?

Wer Kinder hat, kommt nicht darum herum, potentielle Suchtmittel zu thematisieren. Laut einer Untersuchung der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme haben gut 34 Prozent der Schüler und knapp 27 Prozent der Schülerinnen mindestens einmal Cannabis konsumiert. Und 15 Prozent der 15-Jährigen rauchen wöchentlich Zigaretten, 10 Prozent sogar täglich. Noch höher ist die Zahl derjenigen, die schon mindestens zweimal im Leben betrunken waren.

Es bringt aber nichts, wenn sich Politiker, Lehrer und Eltern über solche Zahlen entsetzen. Kinder brauchen gute Vorbilder. Deshalb muss man seinen eigenen Konsum reflektieren und zur Sprache bringen - Ihre Kinder tun es nämlich ohnehin. Es ist aber müssig, wenn Sie stundenlang darüber reden, ob und wann Sie schon mal betrunken oder bekifft waren. Auch ist es am Ziel vorbeigeschossen, wenn man lediglich über gesundheitsschädigende Substanzen und deren Wirkungen spricht, denn Warnungen vor Drogen und Alkohol gibt es wie Sand am Meer.

Stattdessen wirft man besser einen Blick auf den Alltag und dessen Bewältigung: Bei Langeweile den Fernseher einzuschalten oder dem Frieden zuliebe Ärger und Probleme zu verdrängen ist alles andere als Suchtprophylaxe. Nur wer mit sich selber etwas anzufangen weiss und gut kommunizieren kann, entwickelt auch ohne Tabak, Alkohol und Drogen ein intaktes Selbstwertgefühl und kann den Widrigkeiten des Lebens die Stirn bieten.

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Wer hingegen keinen Zugang zu sich selbst hat, ist besonders gefährdet, Angst, Wut, Trauer und Langeweile entweder mit nichtsnutzigen Aktivitäten oder mit irgendwelchen gefährlichen Substanzen zu dämpfen.

Wissen, wann es genug ist

Deshalb muss der Umgang mit Krisen, Frust und Wut im Elternhaus gelernt und vorgelebt werden. Hierbei können Eltern ihren Kindern Vorbild sein. Vorbild sein heisst jedoch nicht, dass man päpstlicher als der Papst ist. Eltern dürfen auch mal über die Stränge schlagen: Genuss- und Erlebnisfähigkeit können auch Vorbildcharakter haben - wenn man weiss, wann es genug ist.

Suchtprävention beginnt im Alltag und kann weder an die Schule noch an die Politik delegiert werden. Das ändert sich auch nicht, wenn der Jugendschutz hierzulande ernster genommen wird und weiche Drogen vielleicht eines Tages legalisiert werden.