Vielleicht nimmt Ihr Sohn tatsächlich mal das eine oder andere Rauschmittel. Dann heisst es: Ruhe bewahren! Dass Drogen leicht zu kaufen sind, ist in den wenigsten Fällen Ursache für eine Sucht. Auch Alkohol ist überall und sogar legal erhältlich, trotzdem sind wir kein Volk von Alkoholikern.

Einmaliger Konsum bedeutet noch nicht Sucht – eine solche ist erst gegeben, wenn die Substanz wiederholt und in gesteigerten Dosen konsumiert wird.

Bei der Suchtentwicklung spielen die Persönlichkeit, das soziale Umfeld und gesellschaftliche Zwänge eine Rolle: Belastende Lebensumstände in Familie, Schule und Beruf können die Bereitschaft zum Drogenkonsum ebenso erhöhen wie Stress. Jugendliche – und Erwachsene – mit mangelndem Selbstwertgefühl, niedriger Frustrationstoleranz und geringer Konfliktfähigkeit können widrigen Situationen im Alltag oft nicht die Stirn bieten. Auch gesellschaftliche Bedingungen sind relevant: Negative Zukunftsbilder und fehlende Perspektiven wollen nicht so recht in eine Überfluss- und Leistungsgesellschaft passen.

Die Prävention beginnt im Alltag

Schutz bieten ein stabiles Selbstwertgefühl und gesundes Selbstvertrauen. Wenn Ihr Sohn die Erfahrung macht, dass er im Leben etwas bewirken kann, und sich in der Auseinandersetzung mit Ihnen eine gute Kommunikationsfähigkeit erwirbt, hat er schon mal wirkungsvolle Instrumente im Umgang mit Krisen, Angst, Wut, Trauer und Langeweile. Verständnis und Zuhören sind wichtige Qualitäten von Eltern.

Schliesslich können Sie Ihrem Sohn ein Vorbild sein, indem Sie von Ihren Erfahrungen erzählen, Verständnis zeigen und keine vorgefassten Meinungen haben. Vorbild sein heisst nicht, dass Sie auf Alkohol und Nikotin verzichten müssen. Aber Sie sollten Ihren eigenen Konsum überdenken und mit Ihrem Sohn darüber sprechen – Sie müssen nicht perfekt sein, sondern zu Ihren Stärken und Schwächen stehen.

Sie dürfen aber auch mal über die Stränge schlagen: Genuss- und Erlebnisfähigkeit können auch Vorbildcharakter haben – wenn man weiss, wann es genug ist. Und vergessen Sie nicht: Drogenprävention beginnt – wie Sucht – im Alltag.