Es gibt Familien, die verbannen ihren Computer auf den Estrich oder in den Keller, damit die Kinder nicht ständig compüterlen. Oder sie schaffen sich gar nicht erst einen an. Ich verstehe das nicht. Nur weil man sich an heissen Platten die Finger verbrennen kann, verzichtet doch auch niemand auf den Kochherd. Wäre ja absurd. Genauso absurd, wie wenn man ans Ende der Welt ziehen würde, bloss weil der Strassenverkehr gefährlich ist. Niemand sagt deswegen der Zivilisation Adieu. Man bewahrt bei diesen Dingen einen kühlen Kopf, warnt die Kleinen vor Verbrennungen und bringt ihnen bei, wie man sich sicher im Strassenverkehr bewegt. Das gehört zur Erziehung. Doch beim Thema Computer lamentieren viele Eltern – und Pädagogen – nur, dass Jugendliche heute viel zu viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen.

Sie ahnen es: Ich gehöre nicht zu jenen Leuten, die die Menschheit im Internet verblöden und vereinsamen sehen. Auch glaube ich nicht, dass wir dereinst nur noch cybermässig miteinander kommunizieren werden. Solche Visionen überlasse ich getrost den Kassandras des 21. Jahrhunderts. Ich verkünde lieber bei jeder Gelegenheit, dass ich Computer für eine der besten Erfindungen unserer Zeit halte. Ich bedaure sogar, dass es diese Kisten noch nicht in jedem Haushalt gab, als ich klein war. Und hoffe, dass meine Eltern den Computer nicht weggeschlossen hätten. Schliesslich ist nicht der Computer das Problem, sondern der Umgang damit.

Die Eltern sollten lenken und aufklären

Wäre ich noch ein Kind, würde ich mir Eltern wünschen, die mich einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem Rechner lehren. Sie müssten mir zeigen, dass man ihn nicht nur zum Gamen, sondern für die verschiedensten Dinge nutzen kann. Ich würde toben, wenn sie mir den Zugang verwehren – und verwahrlosen, wenn sie die unkontrollierte Nutzung dulden würden. Ich bräuchte Eltern, die die PC-Nutzung so lenken, dass dadurch meine weiteren Freizeitaktivitäten nicht zu kurz kommen, Kontakte im realen Leben nicht fehlen und meine schulische Leistung nicht leidet.

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Ich bin nicht blauäugig und weiss, dass der Computer Gefahren birgt. Man kann süchtig werden, wenn das Leben zu wenig ausgefüllt ist und man vor der realen Welt ins Internet flieht. Gewalt, Pornos und Extremismus sind gefährlich. Aber einzelne Bilder von kopulierenden Paaren, Gewaltdarstellungen oder Nazi-Verherrlichungen hinterlassen bei Kindern wohl kaum bleibende Schäden. Heikler und gefährlicher ist es, wenn sie nicht lernen, wie sie die Angebote im Netz kritisch hinterfragen und kreativ nutzen können. Statt den Computer zu verteufeln, tun Eltern gut daran, wenn sie sich mit der Realität befassen: Das heisst in diesem Jahrhundert unter anderem, sich auf die virtuelle Welt einzulassen.