«Hallo Leo Löwe – hilfst du Yannick heute? Damit er ruhig bleibt und sich, falls nötig, nur mit Worten statt mit Fäusten wehrt? Super!» – Leo Löwe ist seit kurzem der ständige Begleiter von Yannick. Der Sechsjährige hatte auf dem Weg zum Kindergarten öfter handgreiflichen Streit mit anderen Buben.

Die Eltern wollten ihm helfen, dieses Verhalten zu ändern. Erst versuchten sie es mit gutem Zureden, dann mit Konsequenzen. Er durfte zum Beispiel nicht mehr nach draussen zum Spielen. Das wirkte nur zu Beginn – und war im Grunde kontraproduktiv. Die Eltern merkten, dass sie ihm mit der Strafe die Möglichkeit nahmen, zu lernen, anders mit Konflikten umzugehen.

Damit Yannick das aber schaffen kann, muss die Schlüsselbotschaft lauten: «Du bist dann stark, wenn du ohne Einsatz deiner Körperkraft mit anderen Kindern klarkommst.» Wichtig ist, dass gleichzeitig eine Handlungsanleitung gegeben wird:

  • Sich von möglichen Konfliktsituationen oder bekannten «Streithähnen» fernhalten: «Ich bleibe vom Brunnen weg, wo wir uns immer bespritzen. Ich gehe Tom und Jonas aus dem Weg.» Oder: «Ich gehe neu einen anderen, ebenfalls sicheren Chindsgiweg.»
  • Sich für Provokationen eine passende verbale Reaktion vornehmen: «Wer ‹Tubel› sagt, ist selber einer!»
  • Bei Ausbruch eines Streites sofort Distanz aufbauen, sprich: direkt nach Hause oder zur Lehrperson hingehen und erklären, dass man Abstand braucht. Oder sich mit etwas anderem beschäftigen.


Lob bekommt Yannick immer dann, wenn er friedlich mit seinen Gspäändli gespielt hat oder seinen Impuls, zuzuschlagen, unterdrücken konnte.

Es kann auch ein simpler Stein sein

Um diese Botschaft präsent zu halten, kommt Leo Löwe ins Spiel. Er ist be-greif-bar und deshalb für ein Kind in diesem Alter real. Die meisten Kinder sind bis etwa acht Jahre für solche Maskottchen oder Talismane empfänglich. Für ältere Kinder sind oft Belohnungssysteme hilfreich: ein Smiley für «gut gemacht», ein gerader Mund für «so la la» und ein Lätsch für «nicht gelungen». Nach zehn Smileys gibt es eine Belohnung.

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Leo Löwe erinnert Yannick daran, wie er besser reagieren kann als bisher. Das bedingt, dass er auch wirklich täglich mit dabei ist, am Gürtel befestigt oder im Hosensack, wo er ihn anfassen kann. Ebenso hilfreich wie ein Tier oder eine Fabelfigur wirkt auch ein Stein. Wichtig ist allein die Tatsache, dass das Kind seinem Kraftobjekt Stärke, Schutz und Liebe zutraut, die es benötigt, um seine neue Verhaltensweise umzusetzen. Deshalb sollte das Kind gefragt werden: «Welches Tier ist für dich so gut, stark und lieb, dass es dir helfen kann?» Intuitiv wird sich das Kind für «sein» Objekt entscheiden.

Dabei zählt nicht, was wir Erwachsenen als logisch empfinden, sondern was für das Kind wirksam ist. Sich etwas vorzustellen, bedingt und fördert die Kreativität sowie die Fähigkeit, Probleme zu lösen. Krafttiere stellen zudem einen emotionalen Bezug her, da sie Symbole sind für Geborgenheit, Mut, (Selbst-)Vertrauen, innere Kraft und die Bereitschaft, Hilfe anzunehmen.

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«Nun, Leo Löwe, wie wars heute? Konntest du Yannick ein guter Begleiter sein?», fragt seine Mutter mit ernsthafter Miene, als der Sohn heimkommt. «Jaaaaa, alles super!», bestätigt dieser. Mit einer Portion spürbarer Löwenstärke.