Die Drittklässlerin Petra darf Anfang der Woche aus dem TV-Programm zwei Sendungen auswählen, die sie gern sehen möchte. Ob sie diese dann auch wirklich sehen darf, hängt für ihre Eltern ab von Inhalt, Zeitpunkt und Dauer der Filme – sowie davon, ob Petra ihre Hausaufgaben ohne Murren erledigt hat.

Der dreijährige Julian ist krank. Zur Ablenkung darf er mit seiner Mutter auf einer Kinderwebsite virtuell Leitungen flicken, übt dabei spielerisch sein Raumvorstellungsvermögen und fühlt sich selbst wie «Bob der Baumeister».

Nina, 15, benutzt ihr Handy kaum zum Telefonieren, weil ihr das viel zu teuer wäre. Sie pflegt hingegen regen SMS-Verkehr mit ihren Freundinnen und hat so stets das Gefühl, dabei zu sein. Zu Tisch, in der Schule und nach 21 Uhr muss das Handy aber ausgeschaltet bleiben.

Drei Beispiele, die zeigen, wie Kinder und Jugendliche mit den elektronischen Medien angemessen umgehen könnten. Wie viel darf ein Kind täglich fernsehen? Ist Gamen oder Chatten für Jugendliche gefährlich? Ab welchem Alter ist ein Handy sinnvoll? Solche Fragen sind Dauerbrenner in Erziehungsforen. Und so unterschiedlich die Familien im Alltag diese Dinge handhaben, so kontrovers sind auch die Meinungen der Experten über Chancen und Risiken des Medienkonsums. Fakt bleibt, dass Kinder und Jugendliche in der Nutzung elektronischer Medien keinerlei Berührungsängste haben. Sie sind «Digital Natives», also «Kinder der digitalen Technologie». Die Eltern hingegen gehören meist zu den sogenannten «Digital Immigrants», die diese Dinge erst im Erwachsenenalter kennenlernten.

Engagement ja, Besorgnis nein

Dieser selbstverständliche Umgang mit neuen Medien bedeutet aber noch lange nicht, dass Eltern ihre Kinder alles sehen, spielen und anwenden lassen sollten. Sondern vielmehr, dass sie sie darin begleiten müssen, indem sie Grundregeln aufstellen und Grenzen setzen. Und mit den Kindern über Inhalte und Gefühle, über Sinn und Unsinn reden – egal, wie blöd der Nachwuchs das findet. Elterliches Engagement ist in diesem Bereich notwendig, doch übertriebene Sorge fehl am Platz. Denn Fernsehen, Gamen oder SMSen muss nicht per se zur Gefahr werden. Vor allem dann nicht, wenn Eltern von Anfang an verantwortungsbewusst und konsequent über die drei W entscheiden: was Kinder wann und wie lange medial machen.

Medienpädagogik – die Erziehungslehre im Umgang mit Medien – macht weder vor dem Eltern- noch vor dem Schulhaus halt. Was im deutschen Bundesland Bayern erfolgreich eingeführt wurde, wird nun auch für den Lehrplan 21 in der Schweiz diskutiert: ein «Medienführerschein» als Nachweis dafür, dass Schülerinnen und Schüler altersgerecht im Umgang mit Internet, Computerspielen und Fernsehen unterrichtet wurden. Egal, ob der Vorstoss in dieser Form realisiert wird oder nicht – beruhigend ist die Tatsache, dass bereits heute die Mediennutzung in der Schule thematisiert wird.

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Seien Sie also weitgehend unbesorgt: Mit Ihrer Unterstützung kann auch Ihr Kind lernen, sinnvoll mit neuen Medien umzugehen. Geniessen Sie deshalb künftig den gemeinsamen Filmabend. Und bringen Sie Ihrem Nachwuchs doch einfach bei, wie man am Schluss den Ausschaltknopf bedient.