Timea besucht seit kurzem die vierte Klasse. Bisher fiel der Zehnjährigen das Lernen leicht, doch nun kann sie sich nur mehr schlecht konzentrieren. Timeas Eltern fragen sich, ob sich ihre Tochter nicht anstrengen will – oder ob sie es einfach nicht mehr kann.

Elterliche Ermahnungen sind bekanntermassen wirkungsarm. Kinder reagieren auf Kritik, Drängen oder Drohungen ihrer Eltern so schlecht, weil sie oft einfach nicht wissen, wie sie es anders, also erfolgreicher, anstellen sollen. Die Motivation sinkt schnell in den Keller, und die Gedanken sind überall, bloss nicht bei der Sache.

Jungen spielen vermutlich lieber Fussball

Dabei ist Konzentration die Grundlage für jede Form des Lernens. Ohne sie bleibt nichts im Gedächtnis hängen. Begleitet von der richtigen Motivation und einer Portion Durchhaltevermögen, werden Lernerfolge erst möglich. Was aber tun, wenn diese ausbleiben? Glücklicherweise lässt sich die Konzentration spielerisch und lustvoll trainieren. Und Training darf hier wörtlich verstanden werden. Kinder, die sich körperlich viel bewegen, machen ihr Gehirn nämlich buchstäblich fit. Sogar das Kaugummikauen fördert die Konzen­tration, weil Kauen mehr Sauerstoff ins Hirn transportiert. Daneben sind Gesellschaftsspiele, Puzzles, Sprach- und Zahlenrätsel wie auch Logikrätsel effizient.

Der Grund für mangelnde Konzentra­tionsfähigkeit kann auch bei Müdigkeit und Überforderung liegen. Manche Kinder brauchen mehr Zeit, um sich auf der neuen Klassenstufe an die gestiegene Anforderung und das grössere Pensum zu gewöhnen. Und manchmal ist es einfach so, dass ein Junge lieber Fussball spielen möchte, statt zu lernen. Und ein Mädchen lieber Freundinnen treffen oder lesen. Dass mangelnde Leistungsbereitschaft wegweisend für die spätere Schul- und Ausbildungslaufbahn ist, können Kinder in diesem Alter entwicklungsbedingt kaum abschätzen. Ihre Motivation hängt vor allem vom Hier und Jetzt ab.

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Die Geschichte von Pferd und Esel

Äussere Motivationsspritzen wie Belohnungen in Form gemeinsamer Aktivitäten können kurzfristig hilfreich sein. Geld für gute Noten hingegen gilt als kontraproduk­tiv. Viel wichtiger ist hingegen die innere Motivation. Sobald Ihr Kind einsieht, dass es sein Ziel schneller und zufriedenstel­lender erreicht, wenn es sich gut um seine Aufgaben kümmert, wird es dies immer besser und selbständiger tun.

Dies kann man gut mit Spielfiguren veranschaulichen: mit einem Esel und einem Pferd. Stellen Sie die Figuren auf den Tisch und legen Sie eine Handvoll Gras auf eine umgekehrte Salatschüssel, die einen Berg darstellt. Das Gras symbo­lisiert das persönliche Ziel der Schülerin (Lesen, Freundinnen treffen) oder des Schülers (Fussball spielen).

Fragen Sie nun Ihr Kind: «Was glaubst du, wer schneller das frische Gras frisst, der Esel, der erst lange herumbockt (sprich: verweigert), oder das Pferd, das sich sofort auf den Weg macht und den Berg hochrennt (sprich: seine Arbeit ordentlich erledigt)?»

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