Auf dem Vitaparcours beobachtete ich vor kurzem einen Mann mit einem etwa neunjährigen Mädchen. Sie plauderten, keuchten, lachten. Beide hatten offensichtlich einen Riesenspass. «Wenn der Vater mit der Tochter…», kam mir spontan in den Sinn.

Ich musste an meine Freundin Eva und ihre drei Kinder denken. In ihrer Familie gibt es etwas Tolles, was mir besonders gefällt: Einmal im Monat kann jedes Kind einen Tag auswählen, den es entweder mit Vater oder mit Mutter allein verbringt.

Das war nicht von Anfang an so. Früher haben sie immer alle gemeinsam etwas unternommen. Aber irgendwann wünschte sich Sohn Gabriel, auch mal etwas ohne seine Schwestern Leonie und Nora zu machen, allein mit Papa. Und da es in der Familie meiner Freundin demokratisch zugeht, haben sie die Mama- und Papa-Zeiten eingeführt. Seither freuen sich die Kinder immer besonders auf «ihren Tag».

Beide Elternteile sind gleich wichtig

Egal, ob die Kinder mit beiden Eltern oder in einer Einelternfamilie aufwachsen: Die Zeiten, in denen sie Vater oder Mutter allein für sich haben, sind wichtig. Sie unterstützen die Identitätsentwicklung, das Selbstvertrauen und die Selbstsicherheit. Vor allem aber wächst bei den Kindern die Erkenntnis, dass die Eltern ihre Einzigartigkeit wahrnehmen und fördern.

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Es gilt heute als gesichert, dass beide Elternteile gleich wichtig für die kindliche Entwicklung sind. So lernen die Heranwachsenden von ihren Vätern andere Dinge und Verhaltensmuster als von ihren Müttern. Während Väter ausschlaggebend für die spätere Autonomie der Kinder sind, kommt laut Wissenschaftlern besonders Jungen beim Aufbau einer Liebesbeziehung die unterstützende Erziehung der Mutter zugute.

Das «Wie» zählt, nicht das «Wie viel»

Auch wenn sie sich ihren Kindern intensiv widmen: Viele Eltern plagt ein schlechtes Gewissen, weil sie glauben, noch mehr Aktivitäten mit dem Nachwuchs teilen zu müssen. Doch was zählt, ist das «Wie» und nicht das «Wie viel». Studien zeigen, dass sich die Qualität des Kontaktes zum Kind eher positiv auf dessen Entwicklung auswirkt als die Quantität.

Die gemeinsam verbrachten Stunden sollten deshalb liebevoll genutzt und kindgerecht gestaltet werden. Es braucht keine speziellen Highlights. Vielmehr sollen die Jüngsten mit jedem Elternteil auch ein Stück Alltag leben können. Am Papa-Tag beispielsweise steht ein Einkauf im Farbgeschäft auf dem Programm, dann bekommt Grosis Schuppen einen neuen Anstrich. Der Mama-Tag wiederum bietet Gelegenheit, neue Blumen zu pflanzen. Natürlich können die Sprösslinge mit Papa oder Mama auch ein Baumhaus bauen, zelten, wandern oder schwimmen gehen. Auch ein Kinobesuch oder eben gemeinsames Trainieren auf dem Vitaparcours sind vielversprechend. Was unternommen wird, spielt keine grosse Rolle. Hauptsache, jedes beteiligte Familienmitglied kann seine Wünsche einbringen und diese aussergewöhnliche Zeit mitgestalten.

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Buchtipps

  • John Burns, Helen Burns: «Was Väter über Töchter und Mütter über Söhne wissen sollten»; Verlag Gerth Medien, 2008, 160 Seiten, Fr. 16.90

  • Ansgar Röhrbein: «Mit Lust und Liebe Vater sein»; Verlag Carl Auer, 2010, 200 Seiten, Fr. 29.90