Ein Papa geht mit dem dreijährigen Sohn auf den Spielplatz. Und eine junge Mutter schiebt den Buggy mit dem Töchterchen am Flussufer entlang. Ich freue mich über dieses Bild. Denn ­Eltern, die mit ihren Kindern gemeinsame Zeit verbringen und täglich an die frische Luft gehen, machen vieles ganz richtig. Oder etwa nicht?

Auf den zweiten Blick muss ich meine Meinung revidieren. Denn beide – Vater wie Mutter – sind mit etwas ganz anderem beschäftigt als mit ihrem Kind. Die spazierende Mama hält sich dauernd das Handy ans Ohr, der Sandkasten-Papa hantiert mit seinem iPhone. Ob er ein Spiel macht, im Web surft oder SMS verschickt, ist nicht ersichtlich – und auch egal. Massgebend ist einzig und allein, dass diese Eltern nicht mit ihrem Kind unterwegs sind, sondern ihr Kind von A nach B verschieben oder eben am Spielplatz deponieren. Sie sind zwar auf Empfang, doch leider nicht für das Kind.

Ob das kleine Mädchen die ersten Frühlingsblumen sieht, die Vögel zwitschern hört oder den schnüffelnden Hund beobachtet – all das nimmt seine Mutter nicht wahr. Dasselbe beim Vater, der nicht bemerkt, dass sein Sohn Kieselsteine auf die Rutschbahn schaufelt. Oder sich nicht traut, die anderen Kinder zu fragen, ob er auch mit deren Sandkuchenförmchen spielen darf.

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Erst als der Dreijährige zu brüllen beginnt, hebt Papi den Blick und ruft aus der Distanz etwas, was klingt wie: «Waschlos?» Ja, was ist denn los – mit ihm und all den anderen Eltern, die ihrem elektronischen Spielzeug mehr frönen als dem Wichtigsten, was es bei gemeinsamer Zeit mit dem Nachwuchs gibt: dem beziehungsfördernden Moment, der durch miteinander Spielen und Reden, Zuwendung und Aufmerksamkeit geprägt sein sollte?

Zuspruch spornt Lernprozesse an

Um eine gute Eltern-Kind-Beziehung aufzubauen, braucht es gemäss Studien nämlich genau diese Dinge. Dazu kommen noch weitere, wie zum Beispiel eine positive Körpersprache, die sich durch ein Lächeln, ein Streicheln über den Kopf, eine neckische Balgerei oder einfach durch eine liebevolle Umarmung auszeichnet. Loben ist förderlich fürs Selbstvertrauen des Kindes. Dann etwa, wenn die Mutter ihrer Tochter sagt, wie stolz sie ist, dass es schon «Blume», «Hund», «Vogel» sagen kann. Oder dass es weiss, dass die Blumen gelb sind, der Hund aber braun ist. So ­banal dies auch klingen mag – für ein Kind ist es wichtig. Es ist für seine Entwicklung sogar essentiell, denn es wird durch den Zuspruch der Eltern ermutigt, weitere Wörter zu sprechen, noch mehr Farben zu erkennen und auf seine Umwelt weiterhin interessiert zu reagieren.

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All dies sind die grundlegenden Bausteine, die das Kind fit für Kindergarten und Schule machen. Denn spätestens dann erwarten auch der iPhone-Vater und die Handy-Mutter, dass ihr Nachwuchs die entsprechenden Leistungen bringt.

Ich vermute, dass Eltern, die sich lieber ihren technischen Geräten widmen als ­ihrem Nachwuchs, einfach nicht wissen, was sie (nicht) tun. Sie verpassen nichts auf ihrem Handy, dafür aber die wichtigen Momente, in denen sie als Vater oder ­Mutter prägenden Einfluss haben.