Biber ist ein schlechter Verlierer. Wenn er beim Spielen nicht die Oberhand behält, reagiert er mit Wut­anfällen und rennt davon. Zurück bleiben seine Eltern, relativ ratlos. «Ich weiss gar nicht mehr, was ich machen soll», klagt die Mutter. «Einige ­Freun­de wollen schon nicht mehr mit ihm ­spielen, weil er so ausrastet», sagt der Vater. Ein Problem, das so manchen Eltern bekannt vorkommt.

Die gezeichnete Figur des Bibers ist Hauptdarsteller in der neuen Video­serie von Fabian Grolimund und seinem Team. Der Freiburger Psychologe will damit Eltern in Schul- und Erziehungsfragen beistehen. «Mit Videos erreicht man mehr Leute als mit Texten – weil nicht alle gern lesen», sagt Grolimund. Alle sechs Wochen erscheint eine neue Folge der Videoserie auf der Website des Schweizer Elternmagazins «Fritz + Fränzi».

Episode 6: Verlieren können, ist lernbar

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Der 36-jährige Grolimund ist Vater zweier Kinder und beschäftigt sich seit längerem mit Erziehungsfragen. Und er weiss, wo der Schuh drückt: «Eltern reagieren in wiederkehrenden Situa­tionen meist nach dem gleichen Muster.» Die Videos sollen als Anregung dienen, es mal auf neue Art zu probieren. Und vor allem miteinander ins Gespräch zu kommen. Dabei gehe es nicht nur ums Aushandeln von Lösungen. «Das Kind soll dabei auch Schritt für Schritt die Fähigkeit erwerben, kleinere Probleme selbst zu lösen.»

Machtkampf zwischen Gross und Klein

Ein häufiges Thema in Grolimunds Beratungen sind die Hausaufgaben. Wenn sie zum Dauerproblem werden, entwickle sich häufig ein regelrechter Machtkampf zwischen Eltern und Kind. Ein erster Rat lautet dann: «Die Beziehung zum Kind ist viel wichtiger als irgendwelche Kämpfe um Hausaufgaben.» Sonst hätten die Kinder manchmal das Gefühl, die Hausaufgaben bedeuteten den Eltern mehr als sie selbst. Umgekehrt müssten sich die ­Eltern aber nicht wegen der Hausaufgaben beschimpfen lassen. Hier gilt wie meist in Situationen, die zu eskalieren drohen: lieber aus dem Zimmer gehen, ein paarmal tief Luft holen und dann gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten suchen. «Die Basis aller ­erzieherischen und pädagogischen ­Erfolge ist eine liebevolle, unterstützende Beziehung zum Kind.»

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In diesem Sinn passen Grolimunds Videos gut ins Konzept der Zeitschrift «Fritz + Fränzi». Ellen Ringier gründete das Magazin vor 14 Jahren, gleichzeitig rief sie die Stiftung Elternsein ins Leben, die als Herausgeberin fungiert. Ziel der Stiftung ist es, die Kompetenz der Eltern zu stärken.

Rund 20000 Eltern haben die Videos, in denen eine Cartoonfigur die Rolle des Kindes übernimmt, bereits abonniert. Lernpsychologe Grolimund ist vom eigenen Erfolg überrascht. Die Videos dauern selten länger als zehn Minuten – doch das Feedback der Eltern zeige, dass manchmal schon ein so kurzer Film dabei helfe, eingefah­rene Verhaltensmuster zu ändern. Die Videos, empfiehlt Grolimund, könne man gut auch mit den Kindern zusammen anschauen, um dann mit ihnen ins Gespräch zu kommen.


Der Biber soll sich an seinem Vorbild Roger Leichtfuss (l.) orientieren. Selbst der Tennisspieler verliert ab und zu gegen einen spanischen Rivalen...

Quelle: Screenshot Youtube
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Was ist richtig, was ist falsch?

Was sagt Psychologe Grolimund zum oft gehörten Einwand, dass heute zu viele Erziehungsratgeber verfasst würden und Eltern es verlernt hätten, nach gesundem Menschenverstand zu entscheiden? «Wenn eine Mutter oder ein Vater unsicher ist, bringt es nichts, wenn man sagt: Handle doch einfach nach Instinkt», sagt er. Kaum jemand lebe heute noch in grösseren Gemeinschaften – und von dort hätten sich ­Eltern früher vieles abgeschaut. Deshalb habe es viel weniger Spielraum bei der Frage nach «richtig» oder «falsch» gegeben. «Die eigentlich begrüssenswerte grössere Freiheit bringt für manche heute ein gewisses Mass an Unsicherheit.» Und genau für all diejenigen, die sich unsicher fühlten, seien die Hilfsangebote gedacht.

Alle Episoden anschauen

Alle Ausgaben der Internetserie «Was mein Kind stark macht» können Sie bei «Fritz + Fränzi» anschauen: www.fritzundfraenzi.ch

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