«Nur noch rasch einkaufen», sagt Mama Nina zu den beiden Jungs. Nach einem bewegten Nachmittag auf dem Spielplatz steuert sie um halb sechs Uhr den Einkaufswagen samt Söhnen durch den Laden. «Ich will ein Schoggi-Brötli!», verkündet der vierjährige Julian. Beni, 2, nimmt das Signal dankbar auf und plärrt seinerseits «Schoggi-Blöti!». Auf das «Nein» der Mutter und ihre Erklärung, dass es gleich Abendessen gibt, reagieren die Kinder mit einer Schreiattacke.

Was tun? Es ist ja nicht der erste Trotzanfall, den Mama Nina mit den Kindern erlebt. Deswegen möchte sie nicht gleich all ihre Prinzipien über den Haufen schmeissen. Eine Alternative wäre, Einkäufe künftig allein oder übers Internet zu tätigen. Doch damit würde sie ihren Kindern ein wichtiges Lernfeld entziehen.

Es gibt sie einfach, die Stresssituationen mit Kindern. All jene nervenaufreibenden Reaktionen, die beim Einkaufen, beim Essen, auf der Autofahrt oder auch bei Besuchen auftreten und von recht störend bis höchst peinlich reichen. Und das ­Risiko, dass sich diese bei gleicher Ausgangslage wiederholen, ist gross. Doch es gibt einen Weg, wie Eltern und Kinder aus dem Stresszirkel herausfinden.

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Planung ist die Lösung. Es geht darum, eine für das Kind offenbar schwierige Situation im Voraus zu erkennen und ernst zu nehmen – sowie sich zu überlegen, wie das Kind dann beschäftigt werden kann. Einem Dreijährigen wird nämlich schnell langweilig, wenn Erwachsene bei Kaffee und Kuchen länger als zehn Minuten plaudern. Es kann für eine Fünfjährige unan­genehm sein, die Etappen auf der Ferienhinreise nicht genau zu verstehen – wo darf sie was tun und wann nicht? Müdigkeit und Hunger gehören bei Kleinkindern zu den häufigsten Störfaktoren, die weit stärker das Verhalten lenken als bei uns Erwachsenen. Eifersucht, Angst vor Neuem oder unklare Anweisungen von Seiten der Eltern führen bei etwas älteren Kindern oft zu Problemverhalten.

Ganz wichtig: Der Mitmach-Faktor

«Was können wir tun, damit der nächste Einkauf toll wird?», müsste also die Eingangsfrage von Mutter Nina lauten. Schon ihre kleinen Jungs werden sie mit Ideen überraschen, wie sie das Wägeli schieben, die Artikel aus dem Regal holen, aufs Förderband legen werden. Julian malt seine eigene Einkaufsliste. Aktive Beteiligung könnte man das Ganze nennen – denn Kinder wollen grundsätzlich gern zeigen, was sie können.

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Wenn dann Mama, Julian und Beni noch mit einer Gurke und einer Banane Telefönlis spielen, ist der Spass perfekt. Und bei einer Hungerattacke? Dafür hat Nina Cracker von zu Hause dabei.

Zur Belohnung für gutes Verhalten gibts nicht etwa Schleckzeug. Dafür ein dickes Lob und beim nächsten Einkauf wieder ganz viel Spass.

«Nur noch rasch einkaufen» – diesen Satz hat Nina aus ihrem Wortschatz gelöscht. Mit Kindern pädagogisch sinnvoll und zugleich stressarm einkaufen, reisen oder zu Besuch gehen heisst nämlich, sich dafür Zeit zu nehmen. Und zwar schon von der gemeinsamen Planung an.