Wie man in den Wald ruft, so schallt es zurück: eine Binsenwahrheit. Doch allzu oft klingt es bei Jugendlichen ganz anders zurück, als wir gerufen haben: vorlaut, abwertend, verletzend. Dabei haben wir es doch «nur gut» mit ihnen gemeint. Wer weiss, was man vermeiden sollte, hats besser:

«Wir sind die besten Freunde»

Mit der betonten Freundschaftshaltung setzen wir uns auf dieselbe Ebene mit dem Teenager. Wer künstlich auf «jung» macht, mit dem Nachwuchs in die Disco geht und sich anzieht wie 16-Jährige, macht sich lächerlich. Mit dieser Haltung wird man von Jugendlichen nicht ernst genommen. Eine gesunde Hierarchie hingegen gibt dem jungen Menschen mehr Halt, Klarheit und Sicherheit. Darauf ist er in der Jugendphase besonders angewiesen. Das schliesst nicht aus, «bestens» miteinander auszukommen.

«Ich bin der Boss, du musst parieren»

Das andere Extrem. Es wird gelebt von denjenigen Erwachsenen, die glauben, auf diese Weise ihre Rolle gut zu erfüllen. Doch ein zu grosses Machtgefälle schafft Distanz statt Vertrauen. Kein Wunder, wenn Teenager hier kaum von sich aus über Dinge sprechen, die sie beschäftigen. Sture Ansichten und Prinzipienreiterei machen Jugendliche bockig. Hingegen hilft ein grösseres Mitspracherecht, denn dieses fördert das jugendliche Engagement. Öfter ein ernst gemeintes Lob ist ebenfalls ein guter Schritt zur Korrektur der elterlichen Haltung.

«Als ich so alt war wie du…»

Vergleiche mit der Zeit von damals sind für Jugendliche kaum identitätsstiftend. Die heutige Zeit ist anders. Ausserdem sind Pubertierende so stark auf sich selber konzentriert, dass es sie kaum interessiert, was früher war. Wer mit der Retro-Haltung auffährt, läuft Gefahr, von sich auf den Sohn oder die Tochter zu projizieren. Man möchte, dass er oder sie das realisiert, wovon man selber einmal geträumt hat. Hier hilft es, zu sagen: «Das ist dein Leben, mach das Beste für dich draus!»

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«Um dich mache ich lieber einen Bogen»

Wer zu Jugendlichen auf Distanz geht, strahlt Unsicherheit aus. So verhalten sie sich spiegelgleich irritiert oder abweisend. Eine solche Distanz ermöglicht weder Beziehung noch Vertrauen. Dagegen hilft nur der erste Schritt auf jemanden zu: Echtes Interesse an der Welt des Teenagers zeigen und entsprechende Fragen über Sport, Freizeit, Freunde oder Idole stellen – das kann das Eis brechen.

Doch keine Angst, bei all diesen Verhaltensregeln gilt: Fehler sind erlaubt – ja sogar erwünscht. Denn wie schrecklich wären perfekte Eltern oder solche, die es zu sein glauben. Wer mit (vermeintlichen) Über­eltern aufwächst, kann selber kaum gross werden. Das Gefühl, es den Eltern nie recht machen zu können, begleitet daher manchen bis weit ins Erwachsenenalter. Zu den eigenen Fehlern stehen und Jugendlichen recht geben, wenn es der Verstand verlangt – das gehört zu einem wahren Vorbild, zu dem ein junger Mensch vertrauensvoll aufschauen kann.

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