Der kleine Nils kommt vom Geburts­tag eines Freundes nach Hause und bringt ein volles Säcklein mit. Aha, Süssigkeiten, denken sich die Eltern. Doch im Beutel befinden sich ein Jo-Jo, ein Tannzapfen und bemalte Steine. Denn auch wenn Süsses zu einem Kinderfest dazugehört, haben sich die Gastgeber diesmal etwas anderes einfallen lassen. Und zwar deshalb, weil diese alternativen «Trophäen» das übliche Muster durchbrechen, Kinder mit Süssigkeiten zu beschenken.

Wer in der Kindheit ständig mit einem Guetsli, Bonbon oder Schoggistängeli getröstet oder belohnt wird, gewöhnt sich bald daran. Nicht selten wird ein solches Verhalten dann bis ins Erwachsenenalter hinein aufrechterhalten. So kennt mancher mehr oder weniger Übergewichtige das Problem, dass er aus Frust und Langeweile, aus Einsamkeit oder Mangel an Anerkennung zu Süssem greift.

Wenn es ums Trösten geht, ist es also besser, sein Kind zum Beispiel durch ein «Heile, heile, Säge»-Lied abzulenken und in seinem Schmerz ernst zu nehmen. Oder es in den Arm zu nehmen und ihm zu sagen, dass man es liebt. Oder ihm beizubringen, dass man Probleme gemeinsam lösen kann.

Und wer seinem Kind statt eines süssen Bettmümpfelis einen Moment der innigen Zuwendung schenkt, gibt ihm ein wichtiges und gesundes Signal in die Nacht und mit auf den Lebensweg.

Warum Kinder so sehr auf Süsses stehen

Dass Zucker so beliebt ist, ist übrigens evolutionsbiologisch begründet: Die Vorliebe für Süsses schützte Kinder davor, ungeniessbare Früchte oder giftige Beeren zu essen, also vor Magenverstimmung oder gar vor dem Tod. Der süsse Geschmack wird bis heute von Babys und Kleinkindern deutlich bevorzugt, Saures und Bitteres hingegen lehnen sie ab.

Tatsache bleibt: Schleckereien gehören zum Alltag der meisten Familien. Damit Kinder aber nicht ständig nach Süssem verlangen, sind ein paar Regeln hilfreich.

  • Zuckerhaltiges sollte idealerweise als Dessert nach dem Essen gegeben werden. Das gilt auch für «schlechte Esser». Gerade bei diesen gilt: Das Kind bestimmt, ob und was es vom Aufgetischten essen mag; die Eltern hingegen entscheiden, was sie auftischen und wann und wo gegessen wird. Ein Kind, das heute nur vom Kartoffelstock – und nicht vom Gemüse – gegessen hat, kriegt danach dennoch seine Kinderportion Kuchen, Obst oder Glace. Wer danach die Zähne putzt und zwischendurch nichts nascht, braucht sich auch vor dem nächsten Zahnarztbesuch nicht zu fürchten.

  • Vor dem Fernseher und Computer hingegen sollte grundsätzlich nicht gegessen werden – es gilt als erwiesen, dass das eher zu Übergewicht führt. Denn während der medialen Ablenkung ist die Wahrnehmung des Sättigungsgefühls gestört, das Kind ist sich seines Tuns nicht bewusst und stopft weiter Chips und Gummibärchen in sich hinein. Einzig als Trick für Eltern von Gemüse-Früchte-Muffeln wäre es legitim, Apfelstücke, Peperonischnitze und Rüeblirädli als «Bildschirmfutter» anzubieten.

  • Süsses ist nicht nur schlecht: Kaugummikauen (zuckerfrei) erhöht die Konzentration, etwa beim Lernen. Schokolade löst Glücksgefühle aus. Und Zucker lindert offenbar Schmerzen. Stecken Sie Ihrem Kind vor der nächsten Spritze ein Stück Zucker oder Schokolade in den Mund. Das hilft. Und kommt ja nicht täglich vor.