Elena schiebt im Nu die vier Stühle zusammen, legt die Tücher darüber und klammert sie fest – fertig ist die Höhle, die mal als Haus, mal als Schiff oder auch als Gastwirtschaft dient. Der Ideenreichtum der Fünfjährigen scheint grenzenlos. Vielleicht, weil sie so wissbegierig ist: «Kreativität hat mit Neugierde zu tun», so der deutsche Psychoanalytiker Günter Ammon. Diese Neugierde lässt Kinder vieles ausprobieren, gestalten und Problemstellungen lösen.

Mehr denn je sind heute kreative Köpfe zur Bewältigung drängender Probleme gefragt. Und diese Kreativität gilt es schon bei den Kleinen zu fördern. Jedem Kind sind schöpferische Fähigkeiten in die Wiege gelegt. Egal, ob es ein Bild malt, Knöpfe sortiert, Kieselsteine sammelt oder leere Joghurtbecher auftürmt: Immer ist ein Werk im Entstehen. Kinder sind Macher voller Phantasie und Tatendrang. Was sie sehen, empfinden und erleben, setzen sie in originelle Ideen um.

Um dieses Potential ausschöpfen zu können, sind Kinder auf genügend Freiraum angewiesen. Und auf Erwachsene, die sie dabei unterstützen. Viel Spielzeug braucht es dazu nicht, aber das richtige. Vorgefertigte, unflexible Elemente stehen jeglicher Kreativität im Weg. Die Kinder müssen ihre Spielsachen immer wieder verändern können. Dafür eignen sich besonders Materialien, die zum Forschen und Ausprobieren anregen: Unerschöpfliche Möglichkeiten bieten sogenannt wertlose oder ausgesonderte Gegenstände wie Schachteln, Papierrollen, Schrauben und Deckel. Auch Naturmaterialien stellen eine Fundgrube für kreatives Schaffen dar.

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Deshalb: Raus in den Wald, auf die Wiese, in den Garten! Bestenfalls spielen Eltern mit und spornen ihr Kind zu eigenen Ideen an. Das stützt das Selbstvertrauen. Kreative Kinder zeigen meist eine gesunde Portion Selbstsicherheit, weil sie überzeugt sind, für die meisten Probleme eine adäquate Lösung zu finden. Eltern tun gut daran, ihrem Kind zu zeigen, dass sie seine Phantasie ernst nehmen und auch stolz auf seine Initiative sind. Abfällige, abwertende Worte wie «Das ist doch kein Haus, das ist ein Kuddelmuddel aus Karton» wirken kontraproduktiv und lähmend. Aus Angst vor negativen Kommentaren haben Kinder dann oft zu nichts mehr Lust.

Auch sonst kann es sein, dass im Kinderzimmer mal tote Hose herrscht und den Jüngsten partout nichts einfallen will. Dann können Eltern zum Malen und Basteln anregen. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, gemeinsam mit den Kindern den Dreh zu finden:

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  • Gehen Sie zusammen draussen auf Entdeckungsreise.

  • Beginnen Sie eine Geschichte zu erzählen, die dann von den Kindern weitergesponnen wird.

  • Legen Sie sich mit den Kindern auf eine Wiese, betrachten Sie zusammen die Wolkenbilder am Himmel und erzählen Sie sich gegenseitig, was jeder sieht.

  • Suchen Sie Steine und phantasieren Sie, was Sie dazu zu erzählen haben.

  • Ein Gaudi ist auch das Geschichtenerfinden mit der Frage «Was wäre, wenn?». Beispiele: Was wäre, wenn wir fliegen könnten? Was wäre, wenn es keine Autos gäbe? Was wäre, wenn morgen die Sonne nicht mehr aufginge?


Lassen Sie sich von den Kindern beim Erfinden anstecken. Viel Spass!