«Bundesrätin will ich werden», verrät die 13-jährige Maria. Sie will sich für wichtige Dinge einsetzen, gegen Klimaerwärmung und so. Sie weiss viel über das Thema. Ob sie den Berufswunsch Bundesrätin allerdings in die Realität umsetzen wird, hängt von vielen Faktoren ab. Ihr Plan kann etwa an den schulischen Leistungen scheitern: Sie absolviert derzeit eher schlecht als recht die Sekundarschule.

Egal, welchen Berufswunsch Jugendliche äussern – es ist ein gutes Zeichen, wenn sie überhaupt eine Vorstellung entwickeln. Ob Meeresbiologin oder Fotomodell, Militärpilot oder Fernsehanwalt, meist muss man nicht lange forschen, um den Ursprung fürs Berufsziel zu finden. Positive Erlebnisse, damit verbundene Phantasien oder Vorbilder aus Sport, Film und Musik hinterlassen Spuren. Aber auch das momentane Gefühlsleben.

Und: Selbst wenn der Berufswunsch keinen Bezug zu real vorhandenen Eigenschaften, zu Leistungsfähigkeit und Talent hat, spiegelt er fast immer eine Facette der jugendlichen Persönlichkeit.

Wenn ein Kind aber mit zwölf Jahren noch nicht die geringste Berufsabsicht äussert, sind Gespräche sinnvoll. Wer keine Ahnung hat, wofür er sich in der Schule anstrengt, gerät eher in eine Motivationskrise. Anderseits sollten die Anreize für mehr Engagement möglichst nahe liegen: «Ohne Englisch wirst du niemals Anwalt» ist meist keine gute Zielvorgabe.

Durchhalten oder neue Ideen entwickeln

Es hilft auch wenig, einem Teenager zu sagen, dass er es ohnehin nie zum Starfussballer bringt. Teils ist fachliche Unterstützung nötig, damit aus einem unbewussten oder unerreichbaren Berufswunsch ein realistisches Ziel entsteht. Das Kind wird mit der Zeit die nötige Energie und genügend Durchhaltewillen aufbringen, um das hochgesteckte Ziel zu erreichen. Oder es wird sich neu orientieren, eine andere Idee entwickeln. Statt Buchautor wird jemand vielleicht Buchhändler, aus Tierärztin wird womöglich Tierarztassistentin.

Unterstützung ist auch angezeigt, wenn das Kind einem vermeintlich brotlosen Job nachträumt. Nicht selten nämlich mussten sich erfolgreiche oder zumindest zufriedene Musiker, Künstler oder Autorinnen erst gegen den Widerstand der Eltern durchsetzen – schade, wenn ein junger Mensch seine Passion ohne Zuspruch von seinen Nächsten zur Erfüllung bringen muss.

Wer weiss, ob es Maria tatsächlich bis ins Bundeshaus schaffen wird. Offen steht ihr aber, sich für die Probleme der Gesellschaft einzusetzen, zu politisieren und mit Gleichgesinnten zu debattieren. Zudem ist unser Bildungssystem heute derart durchlässig, dass sich ein anfänglich unerreichbar scheinendes Ziel oft trotzdem realisieren lässt. Auch eine Berufslehre kann über die Berufsmatura zu einem Hochschulstudium führen. Es würde mich nicht wundern, wenn uns Maria eines Tages aus dem Bundesratszimmer entgegenlächelt.

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