Kinder müssen heutzutage vor den Eltern keinen Knicks mehr machen, und Papa will auch nicht mehr als «Herr Vater» angesprochen werden. Vorbei sind aber auch die Zeiten, als Eltern Höflichkeit als schlichtweg spiessig und altbacken abtaten.

Heute wünschen Eltern, dass ihre Kinder gute Manieren an den Tag legen. Sie sind das zivilisatorische Rüstzeug schlechthin, auf das Menschen unterschiedlicher Herkunft mit unterschied­lichen Überzeugungen, Religionen, Hautfarben und Kulturen zurückgreifen können. Höflichkeit ist die einzige Sprache, die in der Welt jeder versteht. Freundliche, rücksichtsvolle und hilfsbereite Kinder haben, wie Psychologen festgestellt haben, auch eine positivere Lebenseinstellung als diejenigen, die nicht gelernt haben, sich gut zu benehmen.

Wie bringt man Kindern Manieren bei?

Sobald Kinder verstehen, was man ihnen sagt, können sie auch lernen, wie man korrekt miteinander umgeht. Grundsätzlich gilt es, den Kindern zu vermitteln, dass Höflichkeit das Zusammenleben erleichtert und gutes Benehmen auch als Ausdruck von Respekt und Rücksichtnahme gilt. Beispiele aus dem Alltag: um etwas bitten und sich dafür bedanken, freundlich grüssen, im Bus älteren oder kranken Menschen den Platz anbieten, in der Schlange die Reihenfolge beachten, hilfsbereit sein und sich bei Tisch anständig benehmen.

Mit Floskeln ist es nicht getan

Wichtig ist, dass Erwachsene die Forderung nach gutem Benehmen begreiflich machen. Inhaltsleere Standardformulierungen wie «Weil sich das so gehört!» oder «Man tut das eben nicht!» liefern keine Orientierung. Erklärungen wie «Das Grosi ist traurig, wenn du dich nicht bedankst» oder «Wenn du fragst, kannst du auch vom Tisch aufstehen» helfen besser. Wie generell in der Erziehung orientiert sich der Nachwuchs an seinen Eltern. Ein respektvoller und höflicher Umgang im Alltag ist deshalb ein Muss – auch und gerade Kindern gegenüber. Natürlich stossen auch Eltern an ihre Grenzen. So kann im Stress schon mal ein unbeherrschtes Wort fallen. Danach ist es wichtig, sich für den Lapsus zu entschuldigen. Denn auch das gehört zur Höflichkeit: Ist etwas schiefgelaufen, sollte man dazu stehen und um Verzeihung bitten.

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Pädagogen sind sich einig, dass Höflichkeit kein Sammelsurium antrainierter Floskeln sein sollte. Höflichkeit kommt von innen. Immer ist jedoch das Alter der Kinder zu berücksichtigen. So hat ein Zweijähriger einen derart ungebremsten Bewegungsdrang, dass er zum Beispiel beim Essen kaum stillsitzen kann. Von ­einem Sechsjährigen kann man das schon eher erwarten.

Kinder müssen Höflichkeit, Benehmen und Manieren erst nach und nach lernen. Rücksicht nehmen, hilfsbereit sein – darauf sollten Eltern pochen. Tischmanieren werden die Jüngsten mit sanftem Druck und viel Geduld nach und nach verinner­lichen. Aber: Eltern sollten auch mal ein Auge zudrücken.

Buchtipp

Dagmar von Cramm: «Kinder-Knigge für Eltern»; Verlag Südwest, 2007, 128 Seiten, CHF 17.90

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