Immer, wenn etwas Schreckliches passiert, heisst die Zauberformel: reden, reden und noch mal reden. Dabei ist es egal, ob die Kinder selbst betroffen sind, ob etwas in ihrem Umfeld passiert ist, oder ob sie über die Medien schreckliche Bilder zu sehen bekommen.

Kinder leben nicht in einer isolierten Welt. Sie sehen die Bilder, schnappen Stimmungen auf und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Alle psychologischen Fachleute sind sich einig: In solchen Ausnahmesituationen ist es besonders wichtig Kinder ernst zu nehmen und sie fragen zu lassen. Beschwichtigen Eltern die Angst, indem sie sagen: «Du musst keine Angst haben, dir passiert schon nichts», erreichen sie meist das Gegenteil: Die Kinder haben dann nicht nur das Gefühl, mit ihren Ängsten und ihrer Traurigkeit allein zu bleiben - hinzu kommt noch, dass sie sich unverstanden fühlen und glauben, sie hätten etwas falsch gemacht.

Auf keinen Fall sollten Eltern ihre Kinder alleine vor dem Fernseher oder dem Internet lassen. Kleine Kinder bis zum Alter von etwa sechs Jahren sollten möglichst keine Nachrichten anschauen. Sie können noch nicht abstrahieren, dass das, was sie sehen, in weiter Ferne passiert und mit ihren Leben nicht direkt zu tun hat. Dass der Tod etwas Endgültiges ist, können sie noch nicht wirklich begreifen.

Aber auch die Älteren brauchen Begleitung durch die Erwachsenen beim Medienkonsum. Das gilt auch für das Internet. Im Internet überschlagen sich die Nachrichten zur Atomkatastrophe in Japan und ständig kommen neue Bilder und Informationen. Das macht Kindern Angst - und nicht nur ihnen. Auch die Erwachsenen sind verunsichert und fühlen sich ohnmächtig.

Anzeige

Wichtig ist es, diese Gefühle nicht zu verstecken. Kinder merken sowieso an der ganzen Atmosphäre, wenn den Eltern nicht wohl ist. Schnell beziehen sie die bedrückende Stimmung auf sich und meinen, die Eltern seien wegen ihnen so seltsam. Eigene Ängste zuzugeben und zu sagen: «Auch ich finde es furchtbar,  was in Japan passiert ist, aber uns droht keine Gefahr», hilft den Kindern.

Checkliste: Umgang mit Katastrophen

  • Reden: Schweigen würde dazu führen, dass das Vorgefallene für Kinder noch beängstigender wirkt.

  • Fragen stellen: Das Gespräch mit Kindern sollte mit der Frage beginnen, was diese bereits über die Katastrophe wissen. Die Berichte können Aufschluss darüber geben, welche Ängste die Heranwachsenden beschäftigen.

  • Ehrlich sein: Wenn Kinder fragen, ob beispielsweise ein Erdbeben auch die eigene Familie betreffen kann, gilt es Ängste zu nehmen, aber auch ehrlich zu bleiben und keine falsche Sicherheit zu vermitteln.

  • Fragen fördern: Motivieren Sie Kinder Fragen zu stellen und antworten Sie auf diese Fragen direkt. Wie Erwachsene tun sich auch Kinder leichter mit einem Ereignis umzugehen, wenn sie das Gefühl haben, es zu verstehen. Aber geben Sie auch zu, wenn Sie etwas nicht wissen.

  • Nicht überfordern: Nur auf Fragen antworten, die die Kinder stellen, und sie nicht mit Details überfahren.

  • Vorsicht mit Medien: Ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Medienkonsum der Kinder ist wichtig. Spezielle Kindernachrichten (siehe unten) vermitteln kindgerechte Informationen.

  • Hoffnung geben: Erklären, was alles getan wird, um den Menschen zu helfen, und wie in Zukunft solch eine Katastrophe vermieden werden könnte. Es kann sinnvoll sein, mit Kindern zu überlegen, wie auch sie den betroffenen Menschen helfen könnten - etwa, indem sie spielerisch in Spendensammelaktionen eingebunden werden.

  • Gefühle teilen: Erziehende sollten ihre Gefühle zeigen. Das zeigt den Kindern, wie wichtig es ist Gefühle zuzulassen, um Belastungen zu bewältigen. Dabei ist es von Bedeutung, positiv zu bleiben und Kindern eine optimistische Perspektive zu vermitteln.

  • Hilfe holen: Wenn Eltern das Gefühl haben, dass Kinder ein Ereignis beziehungsweise eine Katastrophe sehr stark belastet und sie darunter leiden, sollte man nicht zögern psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

(Quelle: David Schonfeld, Cincinnati Children's Hospital: Hilfe für Kinder Katastrophen zu bewältigen)

Kindgerecht aufbereitete Informationen

Anzeige