Eigentlich wollte die Mutter des fünfjährigen Florian zeitig zur Elternsprechstunde im Kindergarten sein. Doch als sie schliesslich abgehetzt und genervt zum Termin erscheint, erklärt sie der Kindergärtnerin: «Florian ist kurz vor dem Gehen eingefallen, dass er noch sein Bild für den Kindergarten fertigmalen muss. So ist das immer, wenn wir es eilig haben: Irgendetwas Dringendes muss er noch erledigen, und ich komme zu spät zu wichtigen Terminen.»

Wenn Kinder den Tagesablauf dauernd auf den Kopf stellen, kommen die meisten Eltern irgendwann an Grenzen, reagieren ungeduldig und harsch, obwohl sie eigentlich wissen, dass das zu nichts führt oder sogar kontraproduktiv ist. Geduld nämlich ist mit das Wichtigste, was sich Kinder von ihren Eltern wünschen - das ergab eine Befragung von 700 Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren durch ein Münchner Forschungsinstitut: Danach erwarten 94,6 Prozent der befragten Kinder von ihren Eltern, dass diese nicht gleich losschimpfen.

Quelle: Andy Fischli

Doch keine Mutter und kein Vater kann den Kopf immer freihaben für die Bedürfnisse und Nöte der Kinder und immer geduldig auf die Kleinen eingehen. Das erwartet auch niemand. Einige Tipps können Ihnen das Leben mit Ihren Kindern jedoch erleichtern:

  • Überlegen Sie genau, welches Verhalten Ihrer Kinder Sie nervt und an Ihre Grenzen bringt.
  • Gibt es Situationen, die Sie verändern können? Bei welchen Terminen etwa muss Ihr Kind dabei sein? Was können Sie allein erledigen?
  • Erarbeiten Sie Strategien, wie Sie mit anstrengenden Situationen umgehen können. Das könnte zum Beispiel sein: Sie öffnen das Fenster und atmen kurz durch oder Sie verlassen für kurze Zeit den Raum.
  • Fragen Sie sich, ob Sie sich in der Arbeit oder im alltäglichen Allerlei gestresst fühlen und dadurch Ihre Toleranz auf dem Tiefpunkt ist. Vielleicht brauchen Sie tatsächlich mehr Unterstützung bei der Erziehung oder im Haushalt.
  • Sprechen Sie über Ihre Gefühle. Ihre Kinder verstehen Ihre Reaktionen besser, wenn Sie ihnen sagen, dass Sie sich schlecht fühlen oder dass Sie Ärger im Büro haben. Kinder lernen daraus, dass Eltern auch nur Menschen sind und negative Emotionen zum Leben gehören.
  • Damit Sie in Zukunft Situationen vermeiden, in denen Sie mit Ihrer Geduld am Ende sind, kann es helfen, wenn Sie jeden Tag auch ein bisschen Zeit ganz für sich selbst einplanen. Wenn Sie gelegentlich mal eine zuverlässige Betreuung organisieren und ein paar Stunden «Ferien» vom Kind machen, tut das nicht nur Ihnen, sondern letztlich auch Ihrem Kind gut.
  • Wenn Sie aber Ihre Kleinen sagen hören: «Meine Eltern schimpfen sehr viel und sind sehr ungeduldig, aber das ist nicht so schlimm, ich weiss ja, dass sie mich ganz fest liebhaben», dann wissen Sie, dass der Umgang mit Ihren Kindern ganz so falsch nicht sein kann.

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Reinhart Lempp: «Kinder können nerven. Ein Handbuch für gestresste Eltern»; Diogenes-Verlag, 2006, 240 Seiten, Fr. 22.90