Auf die Frage, was sie denn an den Grosseltern besonders gern habe, antwortet die zwölfjährige Stefanie: «Bei Opa und Oma darf ich viel mehr als zu Hause.» Ihre Mutter hört das gar nicht gern. Es gibt ihr einen Stich ins Herz und verunsichert sie. Hat Stefanie die Grosseltern lieber, ist sie selber zu streng? Macht sie bei der Erziehung der Tochter etwas falsch?

Diese Überlegungen sind allzu verständlich, aber in den meisten Fällen völlig unnötig: Kinder lieben ihre Grosseltern, aber die Hauptpersonen in ihrem Leben sind und bleiben die Eltern. Schon die Kleinsten können sehr schnell unterscheiden, welche Gesetze zu Hause gelten und welche bei den Grosseltern.

Am wichtigsten ist für die Enkelkinder, dass Oma und Opa einfach da sind, zuhören und sich Zeit nehmen – dies ist eins der Resultate der Nationalfondsstudie «Kinder, Jugend und Generationenbeziehungen im gesellschaftlichen Wandel». Charakteristisch für die Enkel-Grosseltern-Beziehung ist laut dem Zürcher Soziologen François Höpflinger, «dass sich Grosseltern weniger einmischen als Eltern oder Lehrer».

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Die Eltern müssen das Sagen haben

Auch Stefanies Mutter ist bewusst, wie wichtig die Beziehung zu den Grosseltern ist. Bei schwierigen Entscheidungen überlegt sie selbst immer noch: «Was hätte mein Grosi dazu gesagt?» Trotzdem nervt es sie, wenn ihre eigene Mutter immer alles besser weiss und einfach nicht verstehen will, dass Stefanie zum Beispiel immer um 20 Uhr ins Bett muss, weil sie sonst am nächsten Tag völlig übermüdet und unausstehlich ist. Auch der Vorwurf ihrer Mutter, sie sei viel zu streng, trifft sie stark. Dabei ist klar: Jede Generation hat ihren eigenen Erziehungsstil und muss ihre Erfahrungen selber machen. Grosseltern dagegen können die Dinge meist viel gelassener und entspannter sehen.

Eine gute Beziehung zwischen Grosseltern, Eltern und Kindern erfordert einige Regeln:

  • Die Verantwortung bei der Erziehung der Kinder liegt immer und allein bei den Eltern.

  • Bei wichtigen Fragen, etwa dem Zähneputzen oder dem regelmässigen Zubettgehen, sind Kompromisse fehl am Platz.

  • Grosseltern tun gut daran, sich nicht als Konkurrenz der Eltern aufzuspielen. Das gilt auch umgekehrt: Gerade eine entspannte Beziehung ohne Loyalitätsprobleme zu verschiedenen Erwachsenen bereichert das Leben der Jüngsten.

  • Grosseltern dürfen ihre Enkel durchaus verwöhnen. Das heisst nicht, dass es bei jedem Besuch ein Geschenk geben muss – aber wenn es eins gibt, sollten sich Opa und Oma vorher mit den Eltern absprechen.

  • Es muss klar sein, wer in welcher Situation was zu sagen hat.

  • Bei strittigen Themen sind Gesprächsbereitschaft und Toleranz wichtig.

  • Harmonie vorzutäuschen ist falsch. Respekt- und verständnisvolle Auseinandersetzungen zeigen den Kindern: Mama und Oma vertragen sich trotz verschiedenen Meinungen gut. Eine konstruktive Streitkultur hat für die Kinder wichtigen Vorbildcharakter.
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Buchtipp

Christa Meves: «Grosseltern-ABC»; Christiana-Verlag, 2008, 192 Seiten, Fr. 15.50