Vorwürfe und Druck sind da sicher kontraproduktiv: Bei Jugendlichen führt das erfahrungsgemäss häufig zu Trotzreaktionen. Das heisst, Ihr Sohn hält länger an seinem exzessiv ausgeübten Hobby fest, als es sonst der Fall wäre. Drücken Sie indes offen Ihre Besorgnis aus, interessieren Sie sich für seine Leistungen in Lehre und Berufsschule; überlassen Sie ihm jedoch die Verantwortung für sein Leben und seine Freizeit, denn er wird bald erwachsen sein.
Es ist schwierig, die Grenze zwischen einem leidenschaftlich ausgeübten Hobby und einer Sucht zu ziehen – noch schwieriger als zwischen Genuss- und Heilmittelkonsum auf der einen und Drogen- beziehungsweise Medikamentensucht auf der anderen Seite. Das Wort Sucht ist mit dem Wort «siech» (zum Beispiel in «Siechenhaus») verwandt; es bedeutet also ursprünglich krank. Von Süchten sprechen Fachleute nur in folgenden Fällen:

  • Wenn der freie Wille versagt und wenn die Kontrolle über ein Verhalten verloren geht.
  • Wenn eine Abhängigkeit besteht, wenn also bei Unterlassung des Verhaltens seelische oder körperliche Entzugserscheinungen auftreten.
  • Wenn das Verhalten etwas Zerstörerisches hat, indem es etwa der Gesundheit schadet, wenn soziale Beziehungen verarmen oder wenn die Existenzsicherung in Schule oder Beruf vernachlässigt wird.

Am häufigsten ist in den westlichen Industrieländern immer noch die Alkoholabhängigkeit, gefolgt von der Medikamentensucht. Es gibt aber auch ein breites Spektrum stoffungebundener Süchte wie Konsum-, Mager- und Spielsucht. Seit einigen Jahren wird auch von Internetabhängigkeit oder Onlinesucht geredet. Unter Wissenschaftlern ist die Diagnose allerdings umstritten.
Offenbar neigen Menschen dazu, unter gewissen Umständen in der einen oder anderen Art süchtig zu werden. Eine einzelne Ursache konnte die Wissenschaft aber weder in der Persönlichkeit noch in der Umgebung der Betroffenen finden; ungesunde Abhängigkeiten entstünden durch Einfluss und Zusammenspiel verschiedener Bedingungen.
Vorbeugen ist deshalb entscheidend. Eltern können nicht mehr tun, als ihre Kinder zu selbstbewussten Menschen zu erziehen, die ihre Gefühle wahrnehmen und ausdrücken – die Nein sagen, sich aber auch engagieren können. Ist das der Fall, können die Eltern darauf vertrauen, dass die Suchtgefährdung der Kinder minimal ist.

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