Wenn wir Angst empfinden, nehmen wir verstärkt das wahr, wovor wir uns fürchten. So hört jemand, der grosse Angst vor Hunden hat, das Kratzen von Krallen auf dem Asphalt viel eher als jemand, der angstfrei ist. Unser Körper reagiert direkt: Das Herz beginnt zu rasen, der Blutdruck steigt, es kommt zu einem flauen Gefühl im Bauch, Schwindel, Zittern, weichen Knien. Manchmal werden die Ängste lähmend gross. Dann erfahren wir, dass etwas mit uns passiert, was wir nicht beeinflussen können – ein Gefühl, das wir möglichst vermeiden wollen.

Einige ziehen sich deshalb zurück, um die angstauslösenden Situationen zu vermeiden. Und das teilweise sehr vehement: mit sturer Verweigerung und Wutanfällen. Auch körperliche Beschwerden wie starke Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Erbrechen treten auf: Sie sind Zeichen von hohem Stress.

Je früher ein Kind Hilfe erhält, desto besser

Die Angstreaktion ist an sich ein sinnvoller Mechanismus, der uns davor schützt, immer wieder in dieselben «gefährlichen» Situationen zu geraten. Ängste können jedoch aus­arten und sich zu einem echten Problem entwickeln, wenn sie das Leben zu dominieren beginnen. Dann ist der Moment gekommen, sich der Angst zu stellen, um wieder frei für das Leben und neue Erfahrungen zu werden. Unter Umständen braucht es eine Psychotherapie als Unterstützung. Auch wenn Ängste bei Kindern häufig vorkommen, wachsen sie sich oft nicht einfach aus. Insbesondere dann nicht, wenn sie stark sind.

Was die Eltern tun können

  • Besprechen Sie mit der Tochter, wovor sie Angst hat: Was befürchtet sie, was erlebt sie in diesen Situationen? Hören Sie ihr liebevoll zu, zeigen Sie Verständnis. Versuchen Sie nicht zu bagatellisieren oder zu dramatisieren, denn dadurch verstärken Sie die Ängste oder signalisieren ihr, dass Sie sie nicht ernst nehmen.
     
  • Überlegen Sie gemeinsam mit der Tochter, wie sie die Situationen meistern kann. Es ist wichtig, dass die Tochter auch mitdenkt und nicht Sie allein die Lösung für das Problem finden. Die eigenen Lösungen traut man sich auch am meisten zu.
     
  • Gehen Sie nun schrittweise mit ihr an die schwierigen Situationen heran. Seien Sie zum Beispiel anfänglich bei ihr, ziehen Sie sich aber in Absprache mit ihr dann zurück. Mit der Zeit können die Zeiten und Distanzen erhöht werden.
     
  • Versuchen Sie, ruhig zu bleiben und nicht ebenfalls Angst davor zu haben, wie die Tochter reagiert. Trauen Sie ihr etwas zu und motivieren Sie sie.
     
  • Seien Sie beide stolz auf sich, wenn Sie die ins Auge gefassten Herausforderungen geschafft haben. Sie darauf, dass Sie dem Kind Zutrauen geschenkt haben, ruhig geblieben sind und es motivieren konnten. Die Tochter darauf, dass sie es durchgehalten hat. Auch wenn es anfänglich nur in kleinen Schritten besser geht: Es macht nichts stolzer, als etwas selber zu schaffen.
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Buchtipps

  • Susanne Borer, Silvia Schneider: «Nur keine Panik! Was Kids über Angst wissen sollten»; Verlag Karger, 2006, 28 Seiten, CHF 8.40

  • Sigrun Schmidt-Traub: «Selbsthilfe bei Angst im Kindes- und Jugendalter. Ein Ratgeber für Kinder, Jugendliche, Eltern und Erzieher»; Verlag Hogrefe, 2010, 152 Seiten, CHF 27.90