Nein, das wäre ein Missverständnis. Ich bin mir sogar sicher, dass man in der Familie ohne Strafen auskommt. Klare Regeln, auf deren Einhaltung die Eltern konsequent bestehen, sind dagegen unbedingt nötig. Der angeblich neue Trend richtet sich gegen eine «Nicht-Erziehung»; eine solche ist nichts anderes als Gleichgültigkeit gegenüber der kindlichen Entwicklung, Vernachlässigung oder Ausdruck von Überforderung oder Hilflosigkeit der Eltern. Kinder sind bereit, erzogen zu werden, denn sie möchten starke Erwachsene werden, die im Leben bestehen können. Dazu brauchen sie starke Eltern mit einer klaren Linie.

Eltern lernen Auto fahren, aber nicht, wie man erzieht
In der Tat ist aber die Verunsicherung heute gross. Das ­Familienbild hat sich gewandelt: Patchworkfamilien, Scheidungen, allein erziehende Eltern und nichteheliche Partnerschaften werden immer häufiger. In der pluralistischen modernen Gesellschaft gibt es kein klares Erziehungsmodell mehr. Die Eltern stehen durch die Wettbewerbsgesellschaft oft unter enormem Leistungsdruck am Arbeitsplatz. Gleichaltrigengruppen, Fernsehen, Handy und Computerspiele beeinflussen die Kinder bald ebenso stark wie die Schule und das Elternhaus. Erwachsene lernen zwar, wie man einen Bewerbungsbrief schreibt, einen Computer bedient oder ein Auto fährt, aber nirgends, wie man erzieht. Darum hat wohl die TV-Sendung mit der «Super-Nanny» über fünf Millionen Zuschauer.

Eigentlich ist es ganz einfach: Kinder brauchen elterliche Autorität und Liebe, um sich optimal entwickeln zu können und stark zu werden. Sie sollen ihr Potenzial, ihre emotionalen, intellektuellen und sozialen Möglichkeiten entfalten können. Und sie sollen lernen, sich selber zu ­helfen. Dann sind sie dem Leben gewachsen.

Zehn konkrete Tipps:

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  • Erziehungsziele mit dem Partner festlegen.
  • Genau wissen, welche Verhaltensweisen annehmbar oder erwünscht sind, welche nicht und warum.
  • Regeln abmachen und sich selber an Regeln halten.
  • Regeln konsequent durchsetzen, nie aus Bequemlichkeit ein Auge zudrücken.
  • Keine leeren Drohungen aussprechen, die man bei Übertretungen dann doch nicht wahr macht.
  • Immer wieder das Verhalten der Kinder zu verstehen versuchen - was nicht bedeutet, deren Fehler zu billigen oder zu entschuldigen.
  • Den Kindern Anregungen geben.
  • Selbstständigkeit, Autonomie und Problemlösefähigkeit der Kinder fördern.
  • Interesse für ihre Entwicklung zeigen; es ist schon wertvoll, Kindern zuzuschauen, nach ihren Erlebnissen zu fragen, ihnen zuzuhören und Anteil zu nehmen.
  • Ein Klima des Vertrauens schaffen: Kindererziehung muss von Liebe und Respekt geprägt sein.
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Buchtipp

Urs Fuhrer: «Erziehungskompetenz. Was Eltern und Familien stark macht»; Huber-Verlag, 2007, 350 Seiten, CHF 39.90