Ihre Erwartungen sind realistisch. Zwar werden die beiden vermutlich ohne Widerstand zur gewünschten Zeit zu Bett gehen, aber dort werden sie nicht schlafen, sondern mindestens bis Mitternacht reden. Trotzdem würde ich das Unternehmen unterstützen. Achten Sie aber darauf, dass es in den Ferien oder von einem Freitag auf den Samstag stattfindet, so dass die Buben nicht übermüdet zur Schule gehen.

Kinderfreundschaften soll man fördern. Sie unterstützen die Persönlichkeitsentwicklung. Für ein glückliches und erfolgreiches Leben ist die Sozialkompetenz mindestens so wichtig wie die Leistungsfähigkeit. Ausserdem fördert das Erste das Zweite: Moderne Lernforschung zeigt, dass «eigenständig-kooperatives Lernen», das heute von den meisten Lehrern in den Unterricht eingebaut wird, am wirksamsten ist. Kinder profitieren am meisten, wenn sie in der Schule nicht nur zuhören und auswendig lernen müssen, sondern in Gruppen arbeiten können.

Kinder brauchen ein akzeptierendes Echo
Durch die Gespräche und das gefühlsmässige Engagement in einer Lerngemeinschaft findet eine vertiefte Aneignung von Kenntnissen statt. Kindern geht es überdies grundsätzlich gut, wenn sie über ein gesichertes Selbstbewusstsein verfügen. Dazu muss man wissen, wer man ist, und man muss ein realistisches Selbstbild haben. Dies erwirbt man in der Auseinandersetzung mit der Welt und vor allem mit anderen Menschen. Kinder brauchen ein akzeptierendes Echo aus ihrer Umgebung. Zuallererst muss das sicher von den Eltern kommen. Mit der Zeit aber werden Gleichaltrige immer wichtiger. Nichts ist schlimmer für ein Kind, als zum Aussenseiter oder zum Mobbingopfer zu werden. Deshalb haben Krippe, Hort, Tagesschule und Mittagstisch nicht nur eine entlastende Funktion für die Eltern, sondern sind auch ein soziales Lernfeld für die Kinder.

Ob sie viele Kollegen haben oder einen besten Freund oder eine beste Freundin, ist dabei weniger wichtig. Eltern sollten beides begrüssen und fördern. Die Entwicklungspsychologie zeigt, dass die Beziehungsfähigkeit nicht einfach plötzlich da ist, sondern sich allmählich entwickelt.

Im Vorschulalter gilt schon als Freund, wer attraktive Spielsachen hat. Allmählich lernen Kinder, sich in andere einzufühlen und sich gegenseitig zu unterstützen. Kinderfreundschaften legen eine gute Basis fürs Erwachsenenalter: für ein gesundes Selbstbewusstsein, Teamgeist und die Fähigkeit, stabile Partnerschaften einzugehen.

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