Es ist nichts Schlechtes, wenn sich Ihr Töchterchen so ein gutes Gefühl verschafft. Sie müssen der Kleinen nur sagen, dass sie das nicht in der Öffentlichkeit machen darf – weil sie sonst damit Anstoss erregt.

Falsch wäre es aber, Abscheu zu zeigen, sie gar dafür zu strafen oder Strafe anzudrohen. Dadurch würde das Kind Sexualität als etwas Hässliches, Verbotenes erleben, was zu Hemmungen und Schuldgefühlen führen würde.

Sigmund Freud hat die frühkindliche Sexualität übrigens schon vor 100 Jahren beschrieben. Er spricht von einem «zweizeitigen Ansatz»: Um das vierte Altersjahr gibt es eine Frühblüte der Erotik. Während der Primarschulzeit folgt dann die Latenzphase. Mit der Geschlechtsreife wird Sexualität aufgrund der hormonellen Veränderung schliesslich zu einem drängenden Bedürfnis. Es ist also durchaus normal, wenn sich Vorschulkinder selbst befriedigen. Mit dem Schulalter verliert sich das weitgehend.

Aufklärung ist grundsätzlich Aufgabe der Eltern
Eine positive Einstellung zur kindlichen Sexualität ist für ein unverkrampftes Liebesleben im Erwachsenenalter sehr wichtig. Wiederum war es Freud, der 1807 in einem Aufsatz auf die Notwendigkeit einer «guten Aufklärung» hinwies. Grundsätzlich ist das Aufgabe der Eltern. Heute übernimmt die Schule einen Teil. Wer in diesem Bereich unsicher ist, sollte sich im Buchhandel entsprechenden Lesestoff besorgen (siehe Buchtipp). Einige Grundregeln lauten:

  • Das Kind im Aufklärungsgespräch dort abholen, wo es sich entwicklungsmässig befindet.
  • Keine Vorträge halten, sondern auf die Fragen des Kindes eingehen.
  • Inhalt und Sprache dem Kind anpassen.
  • Sexualität nicht als hässlich oder gefährlich darstellen.
  • Nicht nur über die Biologie, sondern auch über das angemessene Verhalten und über gesellschaftliche Regeln, die Moral und Ethik reden.
  • Immer wieder darauf hinweisen, dass man bei sexuellen Kontakten nein sagen darf und muss, falls einem dabei nicht wohl ist. So beugt man Übergriffen stärkerer oder älterer Kinder sowie Erwachsener vor.
  • Ehrlich sein und die eigenen Werte und Einstellungen nicht zu verbergen versuchen.

Buchtipp

Dorothea Meili und Willy Canziani: «Was Sie Ihrem Kind schon lange über Liebe und Sex sagen wollten»; Verlag Pro Juventute, Zürich 1997, Fr. 23.80

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