Aus heutiger Sicht war es klar eine Fehlinvestition, aber vor ein paar Jahren war Gymnasiastin Simona Hofmann aus Sarmenstorf AG überzeugt, dass sie nichts dringender brauche als ein Slalomboard - alle anderen hatten auch eins. Ihre Eltern sagten: «Wenn du das unbedingt willst, kauf es dir, aber bezahlen musst du es selbst.» Simona kratzte all ihr Geld zusammen und leistete sich das Luxusmodell für 300 Franken. Benutzt hat sie es fast nie.

Ein Ausrutscher der 18-Jährigen, denn ansonsten haushaltet sie umsichtig mit ihrem Geld: 200 Franken Taschengeld im Monat, plus Selbstverdientes mit Kinderhüten und Nachhilfe. «Den Grossteil verwende ich zurzeit für Fahrstunden», sagt sie. Und wenn es das Budget zulasse, kaufe sie sich etwas zum Anziehen bei H&M oder im Secondhand-Laden. «Ich bin froh, dass bei uns am Gymnasium nicht so ein Zirkus um teure Marken gemacht wird.» Anderes ist ihr ohnehin wichtiger: mit Kolleginnen ein Volleyballspiel gewinnen oder an einem spannenden Projekt in der Schule mitarbeiten.

Totale Fehlkäufe - das kennt auch Simonas Bruder, der zwölfjährige Nicolas: Bei einem Impulskauf gab er 100 Franken für eine angesagte Kappe und einen coolen Pullover aus. Doch schnell beschlich ihn das Gefühl, dass er sein Geld sinnvoller hätte anlegen können.

Manches erledigt sich im Schlaf
«Die Kinder brauchten ihre Fehl- und Spontankäufe, danach waren sie gefeit vor unvernünftigen Anschaffungen», sagt der 43-jährige Papa Roland Hofmann. Alexandra, die 16-jährige Schwester von Simona und Nicolas, die Restaurationsfachfrau lernt, bestätigt: «Meinen ersten Lohn habe ich verputzt. Ich ging shoppen - Kleider und Kosmetik.» Doch das habe seinen Reiz schnell verloren. «Heute lege ich lieber etwas auf die Seite.» Wirklich keine Lust zu kaufen, was man unbedingt haben muss? «Doch. Das iPhone wollte ich, als überall Werbung dafür gemacht wurde», sagt sie. Aber dann schlief sie nochmals darüber und kam zum Schluss, statt eines teuren iPhones mit Macken doch lieber ein günstiges und reibungslos funktionierendes neues Handy anzuschaffen.

«Unsere Kinder haben das ganz gut im Griff», sagt die 49-jährige Mutter Daniela Hofmann. Wie schafft man diese Gratwanderung, in einer Welt voller bunt glitzernder Konsumartikel? Hofmanns haben ein paar Grundsätze: Sie verbieten nichts von vornherein, sondern diskutieren mit ihren Kindern das Für und Wider des begehrten Objekts. Und sie legen einen Anteil fest, den der Nachwuchs selber beisteuern muss. «Wir haben unseren Kindern von Anfang an klargemacht, dass sie nicht alles haben können», sagt Roland Hofmann. Kinder hätten oft Blitzideen. Da müsse man standhaft bleiben. Daniela Hofmanns Strategie: erst mal Zeit verstreichen lassen. Ist der Wunsch dann immer noch akut, erneut darüber reden. «Vieles erledigt sich so von allein.»

Das Budget zeigt: Nicht alles ist möglich
Natürlich gebe es auch harte Auseinandersetzungen, sagt Roland Hofmann. Simona hätte gerne ein Austauschjahr gemacht, aber mehrere tausend Franken zusätzliche Kosten lagen im Budget nicht drin. Die Maturandin brauchte einige Zeit, bis sie das verdaut hatte. «Andere aus meiner Schule bekommen das Austauschjahr von ihren Eltern bezahlt. Aber ich musste einsehen, dass wir uns das nicht leisten können.»

Roland und Daniela Hofmann spielen mit offenen Karten: «Unsere Kinder wissen, dass auch wir nicht alles haben können, was wir gerne hätten, und ihnen ist klar, dass wir für das Haus finanzielle Verpflichtungen eingegangen sind.» Manchmal aber sind auch Hofmanns richtig schön unvernünftig: Warum nicht zu einem besonderen Anlass die ganze Familie ins Fast-Food-Restaurant einladen? «Zum einen haben auch wir ab und zu Spass daran», sagen die Eltern. Zum anderen hat das einen heilsamen Nebeneffekt: Hamburger und Pommes verlieren den Reiz des Verbotenen.

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Vier Strategien, mit Kinderwünschen umzugehen

  • Argumentieren statt verbieten: Spielkonsole, Musikanlage, Klamotten - Kinder und Jugendliche haben viele Wünsche, Eltern können und sollen nicht alle erfüllen. Aber: «Nehmen Sie die Wünsche ernst, setzen Sie sich damit auseinander», empfiehlt Erziehungsberaterin und Therapeutin Esther Meier. Ab dem Schulalter sollte mit Kindern über Anschaffungen diskutiert werden: Wozu wird das Handy gebraucht? Wäre kostenloses Telefonieren am PC eine Alternative? Erklären Sie auch, warum Sie gegen bestimmte Artikel sind, dass gegen das Kriegsspielzeug ethische Gründe sprechen und gegen das Zungenpiercing gesundheitliche. Wichtig: Mit Kindern ab dem Oberstufenalter kann man ein Budget festlegen, das sie selbst verwalten können. Ab dem Schulalter sollten Kinder über Taschengeld verfügen.


  • Zeigen Sie Alternativen auf: Kleinere Kinder können mit Argumenten noch nicht viel anfangen - ein zweijähriges Kind will etwas einfach haben, und zwar sofort. Hier können Eltern viel erreichen, indem sie Alternativen anbieten: «Das hier kannst du nicht haben, aber schau mal das da, damit kann man...»
  • Halten Sie Widerstand aus: «Es ist eine Illusion zu glauben, dass Kinder Grenzen einfach akzeptieren», sagt Esther Meier. Bei echten Interessenkonflikten schwingen Gefühle mit: Ärger, Enttäuschung, Trotz und Wut, manchmal sogar Hass. Wichtig ist, den Widerstand auszuhalten, ruhig und sachlich zu bleiben.
  • Bedürfnisse spüren: Konsum ist oft ein Ersatz für innere Leere und Langeweile. Ist das Kind noch klein, braucht es viel Zeit mit seiner Bezugsperson: Spielen Sie mit ihm, lesen Sie ihm Geschichten vor. Im Schulalter werden bestimmte Artikel wichtig: etwa Kleider, weil Mädchen und Jungen «dazugehören» wollen. Das Gemeinschaftsgefühl können Kinder aber auch ohne Markenartikel erleben, zum Beispiel im Mannschaftssport oder in der Musikgruppe.