Wie bei allen schwierigen Erziehungsthemen gilt auch bei der Bewältigung des Irak-Kriegs: Man muss dort ansetzen, wo die Kinder gerade stehen. Das heisst: Die Eltern sollten für alle Fragen und Sorgen der Kinder offen sein und auf ihre Gedanken und Gefühle eingehen.

Je nach Alter, Charakter und Umgebung werden Kinder in unterschiedlichem Mass vom Irak-Krieg berührt sein: Die einen interessiert er gar nicht, weil sie ganz in ihrer Kinderwelt leben; andere finden den Krieg vielleicht sogar aufregend. Und wiederum andere werden möglicherweise von diffusen Ängsten geplagt.

Bevor man mit Kindern reden kann, muss man aber seine eigene Position zu diesem Krieg gefunden haben. Am besten geschieht das im Gespräch mit dem Partner oder Freunden. Bin ich für oder gegen diesen Krieg? Warum? Bin ich grundsätzlich für eine gewaltlose Konfliktlösung – oder gibt es Situationen, in denen ich Gewalt für angemessen halte? Habe ich selber Angst vor diesem Krieg? Wovor genau?

Derlei Fragen dienen der eigenen Sicherheit, denn man kann Kinder nicht beruhigen, wenn man selber von einem Gefühlsdurcheinander zerrissen wird und nicht weiss, wo man steht. Kinder spüren Unsicherheiten sofort – auch wenn man ihnen etwas anderes vormachen will.

Als Nächstes muss man seine Antworten so formulieren, dass sie das Kind auch verstehen kann. Je nach Alter oder seelischer Konstitution sind Antworten auf ganz verschiedenen Niveaus hilfreich.

Anzeige

Wie immer im Umgang mit Kindern sind Verständnis und Ehrlichkeit am wichtigsten. Der amerikanische Psychologe Carl R. Rogers hat den Begriff Kongruenz geprägt. Kongruenz bedeutet nicht, dass man alles sagen muss, was man denkt und fühlt – aber was man sagt, soll dem inneren Erleben und der eigenen Überzeugung entsprechen.

Ich persönlich bin wie die meisten Menschen gegen Krieg. Ich bin überzeugt, dass Gewalt Gegengewalt hervorruft. Aber so eindrücklich die Friedensdemonstrationen in aller Welt bisher waren, sie reichen langfristig nicht. «Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Friede ist der Weg», soll Mahatma Gandhi gesagt haben. Ich verstehe das so: Es geht täglich überall darum, gewaltfreie Wege der Konfliktlösung zu suchen. Zum Beispiel auf der Ebene der Kinder: «Versucht, Streit zu beenden oder zu verhindern, ohne euch zu prügeln. Im Sandkasten, auf dem Schulweg, auf dem Pausenplatz.»

Anzeige

Eltern und Lehrer ihrerseits sollten erziehen, ohne Gewalt anzuwenden. Statt «nur» für den Weltfrieden zu demonstrieren, müssen wir lernen, sensibler mit Menschen aus der Dritten Welt umzugehen. Wir sollten versuchen, andere Kulturen und Religionen zu verstehen und zu respektieren. Wir sollten uns als Touristen nicht arrogant benehmen.

Einfühlung ist gefordert und nicht bloss Toleranz. «You may say I’m a dreamer – but I’m not the only one», sang John Lennon. Mag sein, dass diese Vision des friedlichen Zusammenlebens auf unserem Planeten ein Traum ist. Aber wenn wir ihn alle träumen, wird er vielleicht eines Tages Wirklichkeit.