Wer mit seinen Kindern auch mal auswärts essen gehen will, sollte mit dem Knigge-Training früh beginnen. Wie «Landlady» im Beobachter-Erziehungsforum aus eigener Erfahrung berichtet, fängt dies bereits im ­Babyalter an. Geben Sie Ihren Kindern Zeit und Raum, um das Verhalten bei Tisch mit allen Sinnen zu erfahren: den Brei buchstäblich zu begreifen, mit Gabel und Löffel zu spielen und feste Nahrung ohne Besteck zu geniessen. Bedingung ist in jedem Fall, dass Vater und Mutter trotzdem Vorbilder sind: Seinem dreijährigen Sohn schmatzend und mit vollem Mund zu verbieten, die Pommes frites mit den Fingern zu essen, ist wenig überzeugend.

Tischmanieren sind eine gesellschaftliche Angelegenheit: Sie nützen in erster Linie dem Tischnachbarn, der sich wohl fühlen soll. Üben Sie darum zu Hause jene Benimmregeln, die Sie auch auswärts von Ihren Kindern erwarten. Decken Sie dazu Ihren Esstisch täglich mit Besteck, Gläsern und Servietten. Am besten gemeinsam mit den Kindern. Natürlich sind Manieren à la Knigge umfassender, aber für den Anfang reichen die folgenden Regeln für kleine Gäste:

  • Vor dem Essen Hände waschen.

  • Handy und andere Störfaktoren ausschalten.

  • Mit Essen warten, bis alle geschöpft haben.

  • Alle wünschen sich «en Guete».

  • Gegessen wird mit Gabel, Löffel und später mit Messer - Ausnahme: Fingerfood.

  • Beim Essen darf geredet werden - aber nur mit leerem Mund.

  • Den Mund mit der Serviette statt am Pullover abwischen.

  • Getränke schluckwei­se trinken statt ganzes Glas runterkippen.

  • Ein Spielzeug auf dem Tisch: nur für die Kleinsten.

  • Wer etwas haben möchte oder den Tisch verlässt, bittet höflich darum.

Loben Sie Ihre Kinder für gutes Verhalten bei Tisch. Und seien Sie nicht zu streng: Kleinen Kindern fällt es häufig schwer, all diese Dinge gleichzeitig zu beherrschen und sich dabei dem eigentlichen Sinn des Essens zu widmen. Dieser ist nämlich für die Kleinen schon Herausforderung genug, gilt es doch, viele neue Geschmacksrichtungen kennenzulernen.

Und jetzt? Testen Sie die zu Hause ge­übten Manieren bei einem kurzen Besuch im Café. Erklären Sie den Kindern im Voraus, welches Benehmen Sie von ihnen erwarten und worin die Belohnung besteht. Muten Sie Ihren Kindern anfangs nicht länger als 15 Minuten zu, ruhig auf dem Stuhl zu sitzen. Erklären Sie, was es nun tun darf: auf dem Boden spielen, auf den Spielplatz oder in die Spielecke gehen.

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Setzen Sie die erste Hürde tief
Ist der Probelauf gelungen, darf es nächstes Mal eine kleine Mahlzeit im kinderfreundlichen Restaurant sein. Wählen Sie dazu eine Tageszeit, zu der Ihr Kind nicht gerade müde und quengelig ist. Nicht vergessen: Kinder brauchen für eine solche Leistung stets eine spannende Beschäftigung! Am besten, Sie stellen etwas zur Verfügung, zu dem Ihr Kind sonst keinen Zugang hat: etwa eine Schachtel mit kleinem Spielzeug, ein neues Rätselheft oder ein Malbuch. Übrigens: Bestellen Sie im Restaurant ein Menü, das Ihr Kind auch wirklich mag, und sparen Sie sich allfällige Experimente für daheim auf.