Aufgeschreckt vom Gebrüll im Kinderzimmer, öffnet die Mutter des fünfjährigen Max die Tür. Das Bild, das sich ihr bietet, bringt sie zum Schmunzeln: Im schwarzen Mantel ihres Mannes und mit einem Leintuch über dem Kopf gestikuliert und schreit der Junge wild um sich. Beruhigt schliesst sie leise wieder die Tür. Später wird Max ihr erklären, dass er für Halloween geübt hat und ein Gespenst war, das gegen böse Ungeheuer kämpft. Der eher schüchterne Bub fühlte sich als Gespenst stark und unverletzbar.

Kinder schlüpfen gern in andere Rollen und verändern im Spiel ihre Welt. So können sie sich − wie Max - Bösem widersetzen oder sich auch selber furchterregend gebärden. Dadurch verarbeiten sie ihre Erlebnisse, Ängste und Nöte. Sie erfahren, wie es ist, stark, gross und mächtig oder klein, hilflos und schwach zu sein. Diese Experimente in einer «Gegenwelt» unterstützen Kinder, im realen Leben ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln. Sie lernen, sich selbst besser zu verstehen, und können sich leichter in andere hineinversetzen. Aber auch im Nachspielen von Situationen wie beispielsweise einem Streit entfalten Kinder kreative Problemlösungen und entwickeln Strategien für ein kooperatives und friedliches Zusammenleben.


Entsprechende Kleider geben dem Rollenspiel den letzten Schliff. Dabei geht es nicht darum, sich in Szene zu setzen. Viele Kinder möchten beim Verkleiden nicht gestört werden, manchen ist es gar peinlich, wenn Erwachsene Zeugen ihrer Verwandlung werden. Deshalb müssen Eltern darauf achten, dass die Kleinen - ob allein oder in einer Gruppe - unbeobachtet spielen können. Ganz für sich möchten sie aber auch nicht sein. Kinder wünschen sich auch beim Spiel Anerkennung und Zuwendung von ihren Eltern. Lob und Bewunderung von Mama und Papa spornt sie an, erfinderisch zu sein und bei kleinen Stolpersteinen nicht gleich aufzugeben.

Wühlen im Kleiderschrank der Eltern

Grossen Spass macht es Mädchen wie auch Buben, für ihr Spiel den Kleiderschrank der Eltern zu plündern und stolz zu verkünden: «Ich bin jetzt eine vornehme Dame» oder «Hier stellt sich ein wichtiger Geschäftsmann vor». Es ist verständlich, dass Eltern nicht immer begeistert sind, wenn die Sprösslinge in ihren Kleidern und Kosmetika wühlen. Klare Spielregeln setzen einem allzu wilden Treiben der kleinen Verkleidungskünstler Grenzen. Beispiel: Der Kleiderschrank und die Kosmetika von Mama und Papa sind tabu. Dafür stehen im Haus Kisten oder Schränke mit ausgemusterten Kleidern und Gegenständen wie Hüten oder Handtaschen zur Verfügung. Aber auch Stoffe, Decken und Mamas alte Schmink- und Kosmetikprodukte lassen die Kinderherzen höherschlagen.

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  • Jane Bull: «Kostümparty. 50 tolle Ideen für Verkleidungen»; Dorling-Kindersley-Verlag, 2007, 48 Seiten, Fr. 16.90
  • Maria Eigl und René Reiche: «Schminken und Verkleiden für Kinderfeste rund ums Jahr»; Christophorus-Verlag, 2003, 80 Seiten, Fr. 18.90