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FamilienmonitorHohe Erwartungen an Familien - Sorge, nicht bestehen zu können

Wie ist es um die Familien in der Schweiz bestellt? Der Beobachter hat Forschungsinstitut gfs.bern mit dem «Familienmonitor» beauftragt, der periodisch über die Situation der Familien berichten wird. Die erste Untersuchung liegt nun vor.

Nachfolgend finden Sie einige Auszüge, die gesamte Studie können Sie hier herunterladen:
Familienmonitor 2008 (PDF, 712 kb)

«Stammen Ihre Kinder aus der aktuellen Partnerschaft?»

Wenn Paare von «unseren Kindern» sprechen, trifft dies längst nicht immer auch im bio-logischen Sinn zu: 15 Prozent der Familieneltern haben Kinder, die nicht aus der Beziehung mit dem aktuellen Partner stammen. Damit ist gleichzeitig umrissen, wie viele Kinder in der Schweiz Stiefgeschwister haben. Die vertiefte Analyse im Beobachter-Familienmonitor zur Frage, unter welchen Umständen es zu solchen Patchwork-Konstellationen kommt, zeigt vor allem bezüglich Zivilstand markante Unterschiede: Bei den verheirateten Eltern stammen nur in fünf Prozent der Fälle nicht alle Kinder aus der aktuellen Beziehung, während diese Quote bei den Familieneltern, die unverheiratet mit einem Partner zusammenleben, bei 57 Prozent liegt. Auffallend ist zudem die Betrachtung nach Einkommen: Bei Leuten der höchsten Einkommensklasse findet sich auch der höchste Anteil von Kindern aus anderen Beziehungen (32 Prozent bei Familien mit einem Einkommen von mindestens 9000 Franken monatlich).

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«Wie viele Kinder haben Sie?»

Wenn Nachwuchs, dann am liebsten in überschaubarem Mass: 33 Prozent der Familieneltern, die im Rahmen des Beobachter-Familienmonitors befragt wurden, haben nur ein von ihnen finanziell abhängiges Kind, 39 Prozent deren zwei - macht zusammen 72 Prozent oder fast drei Viertel, die das klassische Kleinfamilienmodell pflegen. In den meisten Fällen wohnen Eltern und Kinder im gemeinsamen Haushalt, doch unterstützen immerhin 22 Prozent der Familieneltern eigene Kinder, die auswärts leben. Die Bevorzugung der Kleinfamilie bestätigt einen seit längerem anhaltenden Trend. Und zumindest kurzfristig ist auch nicht damit zu rechnen, dass die Familien bald wieder grösser werden: Auf die Frage, ob bei ihnen aktuell ein zusätzlicher Kinderwunsch bestehe, antworteten satte 78 Prozent der Familieneltern mit Nein.


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«Was ist Ihnen wichtig im Leben?»

Gesund zu sein geht über alles: Auf einer Skala von 0 (unwichtig) bis 10 (wichtig) erreicht das individuelle Lebensziel, «dass es mir gesundheitlich gutgeht», im Beobachter-Familienmonitor den Spitzenwert von 9.6. Dahinter stehen etwa gleichberechtigt Ziele wie finanzielles Wohlergehen, glückliche Partnerschaft oder persönliche Unabhängigkeit (8.8 bis 8.6). Mit etwas Abstand - und erst auf Rang sieben - folgt mit dem Wert 7.8 das Lebensziel Elternschaft, unmittelbar vor Erfüllung im Beruf (7.7). Eigene Kinder zu haben wird von Frauen höher gewichtet als von Männern, desgleichen von Personen mit tieferem Bildungsniveau im Vergleich zu den besser Gebildeten. Aufs Lebensziel Beruf setzen hingegen verstärkt Männer und höhere Einkommensklassen. Diese Gegensätze deuten auf die Schwierigkeit hin, beide Ziele zu vereinen.

Dass es mir gesundheitlich gutgeht  9,6  balken.gif
Dass es mir finanziell gutgeht  8,8  balken.gif
Dass meine Partnerschaft glücklich ist  8,8  balken.gif
Dass ich gute Freunde habe  8,7  balken.gif
Dass ich meine Freizeit angenehm gestalten kann  8,6  balken.gif
Dass ich persönlich unabhängig bin  8,6  balken.gif
Dass ich eigene Kinder habe  7,8  balken.gif
Dass ich im Beruf Erfüllung finde  7,7  balken.gif
Dass ich mich ausserhalb der Familie engagieren kann  5,4  balken.gif

 «Wie werden Ihre Kinder fremdbetreut?»

Der Bedarf, die eigenen Kinder ab und zu von Drittpersonen beaufsichtigen zu lassen, ist in der Schweiz gross - bloss kosten darf es nicht zu viel. Der Familienmonitor zeigt, dass nur 13 Prozent der Eltern von unter zwölfjährigen Kindern öffentliche kostenpflichtige Einrichtungen (Krippen, Mittagstische et cetera) mehr oder weniger intensiv nutzen. Dabei nehmen die unteren und oberen Einkommensklassen Krippenangebote deutlich häufiger wahr als die mittlere - dies weil der Mittelstand einerseits weniger von Subventionen profitiert und anderseits zu geringe Eigenmittel hat. Auch bei der privaten Unterstützung ist Geld ein entscheidender Faktor: Während bloss 21 Prozent kostenpflichtige Leistungserbringer (Tagesmutter, Babysitter et cetera) in Anspruch nehmen, sind es bei der Gratisbetreuung (Grosseltern, Nachbarn et cetera) satte 72 Prozent.

privat und gratis (z.B. Grosseltern, Nachbarn, Verwandte)  72%  balken.gif
privat und kostenpflichtig (z.B. Tagesmutter, Babysitter)  21%  balken.gif
öffentlich und kostenpflichtig (z.B. Krippen, Mittagstisch)  13%  balken.gif
Mehrfachnennungen möglich


«Wie schätzen Sie die Beziehung zu Ihren Kindern ein?»

Eltern und ihre Kinder - eine emotionale Bindung, die stärker kaum sein könnte: Fast alle, nämlich 93 Prozent der Eltern, bezeichnen die Beziehung zum Nachwuchs als «sehr eng» (61%) oder zumindest als «eher eng» (32%); nur sechs Prozent erleben sie als distanziert. Ein vertiefter Blick in die Ergebnisse des Beobachter-Familienmonitors zeigt jedoch Differenzierungen aufgrund des Alters der Kinder. Je älter die Töchter und Söhne sind, umso weniger eng ist nach dem Empfinden der Eltern die Beziehung: Sagen noch 88 Prozent der Eltern von Kleinkindern unter sieben Jahren, die Beziehung sei «sehr eng», sind es bei der Gruppe der Sieben- bis Zwölfjährigen noch 57, bei den 13- bis 18-Jährigen noch 55 Prozent. Und wenn die Kinder erwachsen sind, liegt die Rate der «sehr engen» Beziehungen noch bei 36 Prozent.

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«Wie oft stossen Sie bei der Erziehung an Ihre Grenzen?»

Alles im Griff im Alltag mit dem Nachwuchs? Annähernd die Hälfte der Eltern von Kindern unter 18 Jahren winkt ab: Stimmt nicht, sagen sie, mitunter wissen wir nicht mehr weiter. Dass im Beobachter-Familienmonitor total 45 Prozent der Befragten einräumen, bei der Erziehung manchmal (33%), oft (11%) oder sehr oft (1%) an ihre Grenzen zu stossen, ist ein erstaunlicher Wert - denn wer gesteht schon gern eigene Schwächen ein? Auf die Frage, in welchen Situationen es zu starken Überforderungsgefühlen kommt, zeigt sich indes keine typische Antwort: Die Erziehenden haben mit einer breiten Palette von Aufgabenstellungen ihre liebe Mühe - am häufigsten, wenn die Kinder partout nicht gehorchen wollen oder wenn es in der Schule nicht klappt.

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«Wie viel Zeit verbringen Sie mit Ihren Kindern?»

Die Grafik «Beziehungen» auf Seite 87 deutet auf eine überaus starke emotionale Nähe zwischen Eltern und ihren Kindern hin. Diese scheint aber laut Beobachter-Familienmonitor unabhängig von der räumlichen Nähe zu sein: Auf die Frage, wie viel Zeit sie an einem durchschnittlichen Tag mit ihren Kindern verbringen, antworteten 44 Prozent der Eltern, es seien höchstens vier Stunden. Bei weiteren 33 Prozent liegt die gemeinsam am gleichen Ort verbrachte Zeit bei täglich fünf bis sechs Stunden. Weiterführende Fragen nach dem Kinderalltag zeigen, dass ein gutes Drittel (38%) der Eltern die Sprösslinge nur am Abend sieht. Mehr hat es aus der Optik der Befragten auch nicht zu sein: Die Aussage «Meine Kinder und ich verbringen viel Zeit miteinander» bestätigen 42 Prozent der Eltern als «sehr zutreffend» und weitere 35 Prozent als «eher zutreffend».

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«Besteht oder bestand der Wunsch, Kinder zu haben?»

Den Kinderlosen unter dem Schweizer Bevölkerungsteil, den der Beobachter-Familienmonitor erfasste, wurde die Frage gestellt, ob sie einen Kinderwunsch haben. 37 Prozent brauchten nicht lange zu überlegen: Es gab nie einen und wird auch keinen geben - sie wollen kinderlos bleiben. Der häufigste Grund dafür ist das Fehlen eines passenden Partners, dahinter folgt als Erklärung der Wunsch, andere Interessen zu verwirklichen, etwa die berufliche Karriere. Und: Häufiger als die Befragten mit Kinderwunsch äussern die überzeugten Kinderlosen ideologische Bedenken oder Skepsis betreffend der Zukunft. Bei den Kinderlosen mit aktuellem (23%) beziehungsweise ehemaligem Kinderwunsch (34%) ist ebenfalls das Fehlen eines Partners der massgebliche Grund, auf Kinder zu verzichten. Ein häufig genannter Faktor ist ferner das eigene Alter: Entweder fühlt man sich noch zu jung oder bereits zu alt für Kinder.

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Veröffentlicht am 14. April 2008