Seit über zehn Jahren hat die Familie J. die Niederlassungsbewilligung im Kanton Glarus. Die Mazedonier kamen nie mit dem Gesetz in Konflikt, die Steuern wurden pünktlich bezahlt. Drei der fünf Kinder wurden in der Schweiz geboren, so auch Alije.

1997, nach Beendigung der Primarschule, zog sie mit Tante, Onkel und ihrer jüngsten Schwester zum Grossvater nach Mazedonien. Die Tante kehrte zurück, um den kranken Schwiegervater zu pflegen. Sie war wie eine zweite Mutter für Alije.

Vier Jahre später, nachdem ihr Schwiegervater Anfang 2002 verstorben war, gab es für die Schwester von Alijes Mutter keinen Grund mehr, in Mazedonien zu bleiben. Die Fremdenpolizei Zürich bewilligte ihren Antrag ohne Wenn und Aber. Auch die mittlerweile 15-jährige Alije und ihre kleine Schwester stellten das Gesuch, um zu Vater und Mutter in den Kanton Glarus zurückkehren zu können.

Gemäss Ausländergesetz dürfen Eltern, die eine Niederlassungsbewilligung haben, ihre ledigen Kinder nachkommen lassen. Alije wollte in der Schweiz eine Lehre als Arztgehilfin machen. Die Schule hatte sie in Mazedonien beendet. Das Gesuch der jüngeren Schwester Mergime bewilligte die Glarner Fremdenpolizei ohne weiteres. Jenes von Alije lehnte sie ab.

Es gehe, so die Fremdenpolizei, bei der beantragten Rückkehr von Alije nicht um eine Familienzusammenführung, sondern sie wolle in die Schweiz zurück, um hier einen Beruf ausüben zu können. Zudem spreche ein öffentliches Interesse für die Ablehnung, nämlich der «Schutz vor Überfremdung». Alije musste bei entfernten Verwandten in Mazedonien bleiben.

Mehr als zwei Jahre Zeit gelassen

Die Familie reichte Beschwerde beim Glarner Regierungsrat ein. Das Warten begann. Der Rat liess sich Zeit für eine Behandlung des Begehrens. Sehr viel Zeit – fast zweieinhalb Jahre lang. Die Mazedonierin, die gut 15 Jahre alt war, als sie das Gesuch zur Familienzusammenführung stellte, feierte inzwischen ihren 18. Geburtstag.

Alijes Rechtsvertreter, SP-Nationalrat und Anwalt Werner Marti, mahnte zuvor in zahllosen Eingaben an die Regierungskanzlei, den Fall endlich zu behandeln. Er drohte sogar mit einer Rechtsverzögerungsbeschwerde. Erst am 6. Mai 2004 fühlte sich der Glarner Regierungsrat bemüssigt, auf die Beschwerde einzutreten: Gesuch abgelehnt.

Dagegen erhob Marti Einsprache beim Glarner Verwaltungsgericht. Auch diese Behörde stützte den Entscheid von Fremdenpolizei und Regierungsrat, die das Gesuch als «rechtsmissbräuchlich» qualifiziert hatten. Ein Härtefall sei nicht gegeben. Auf die Möglichkeit, den Fall ans Bundesgericht weiterzuziehen, hat Alijes Vater verzichtet: «Das hätte mich etwa 4000 Franken gekostet», sagt er. «Ich hatte das Geld nicht.»

Das Urteil des Verwaltungsgerichts will Anwalt Marti dementsprechend gar nicht kritisieren. Gegen die Länge des Verfahrens wehrt er sich aber heftig: «Diese lange Verfahrensdauer ist absolut stossend. Ich habe das unzählige Male moniert, aber leider ohne Erfolg.»

Keine Chance mehr

Marc Spescha, aufs Ausländerrecht spezialisierter Anwalt, glaubt, dass die Glarner Regierung gegen die Kinderrechtskonvention und das Ausländergesetz verstossen hat: «Dort steht, dass Gesuche, vor allem von Kindern, ‹mit Beförderung› zu behandeln sind.» Spescha erscheint die Glarner Praxis im Vergleich mit anderen Kantonen oder des Bundesgerichts ausgesprochen streng. Weil die Glarner Behörden das Verfahren derart zögerlich behandelten, sind Alije inzwischen alle Rechtswege verbaut. Ein Anspruch auf Familiennachzug besteht bei Volljährigkeit nicht mehr.

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