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FamilienpolitikWir wünschen uns...

Das Echo auf den Aufruf des Beobachters, familienpolitische Wünsche zu formulieren, war enorm. Ein zentrales Anliegen: Die Familie soll finanziell entlastet werden.

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Der Bundespräsident legte vor: In der Berichterstattung über den ersten Beobachter-Familienmonitor von Mitte April stellte Pascal Couchepin der Familienpolitik in der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Er betonte den Wert der Familie und sprach sich für Steuervergünstigungen aus, für die Förderung von Krippenplätzen, die frühe Einschulung oder für Betreuungsgutscheine .

Deutlich unzufriedener mit der aktuellen Situation zeigt sich indes die Basis, die der Beobachter aufrief, ihrerseits Wünsche, Anregungen und Forderungen zu formulieren. Die Resonanz war gross: Innerhalb von nur zwei Wochen kamen über 100 familienpolitische Wunschzettel zusammen.

Geld für Wohnungen statt für Strassen
Auffällig bei den vielen, zuweilen mehrere Seiten umfassenden Zuschriften ist, dass aus Sicht vieler Familien akuter Handlungsbedarf besteht, wobei es sich keinesfalls um Luxuswünsche handelt, sondern um Verbesserungen - vor allem finanzieller Art -, die helfen sollen, dass die eigene Familie über die Runden kommt. Diesen Menschen ist der Aufruf Pascal Couchepins «Wenn Sie an das Leben glauben, machen Sie Kinder» sauer aufgestossen. So schreibt etwa eine Mutter aus Steffisburg, Couchepins Aussagen hätten gute Aspekte, doch für sie sei klar, dass der Bundesrat vom «Mittelstand aufwärts» politisiere: «Ich nehme an, er weiss nicht, was es heisst, nur für das Nötigste Geld zu haben.»

In vielen Briefen werden konkrete Vorschläge gemacht, wo Bundesbern den Hebel ansetzen müsste. Einen klaren Schwerpunkt gibt es jedoch nicht, die Vielfalt der georteten Mängel ist gross: Gefordert werden zum Beispiel Steuerentlastungen für Familien, Verbilligung der Krankenkassenprämien, Senkung der Ausbildungskosten oder die Erhöhung der Kinderzulagen. Plädiert wird für günstigen Wohnraum für Familien oder für die Subventionierung von Kinderkrippen und Tagesschulen.

Immer wieder ist aber auch von alltäglichen Belastungen die Rede. So moniert ein Vater ganz nach dem Motto «Viel Kleinvieh macht auch Mist» Mehrbelastungen der Familien, etwa bei den Abfallgebühren: «Als Familie wird man grundsätzlich bei allem tüchtig abgestraft.» Auf praktische Hürden macht indes eine Mutter stellvertretend für viele aufmerksam: Wickeltische oder Einkaufswagen, in denen zwei Kinder Platz haben, seien Mangelware.

Parallel dazu werden auch Vorschläge präsentiert, wo Geld eingespart und stattdessen im Sinne der Familie eingesetzt werden könnte. Etwa beim Strassenbau oder durch «Kürzung der Militärausgaben».

So unterschiedlich die Ansätze sind, der Grundtenor ist immer derselbe: Die Familie muss dringend aufgewertet werden. Der Bund solle deshalb doch ein Marketingkonzept für die Familie erarbeiten, lautet ein Vorschlag.

Gegen eine «Einmischung» des Staats
Über den Weg, wie die Institution Familie zu einem besseren Image kommt, gehen die Meinungen jedoch diametral auseinander. Neben den oben aufgeführten Ideen sind auf der Beobachter-Redaktion auch sehr viele Zuschriften eingetroffen, die sich gegen eine «Einmischung» des Staats in die Familie aussprechen und etwa die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht fördern wollen.

Die Haltung in dieser Gruppe, die sich für die «traditionelle Familie» - wie es in einem Brief heisst - starkmacht, lässt sich kurz zusammenfassen: keine Einschulung mit vier Jahren, keine obligatorische Ganztagesbetreuung, kein Geld für Kinderkrippen, stattdessen mehr Achtung vor dem Beruf der Mutter und Hausfrau. Ein weiterer, nicht minder grosser Stapel von Zusendungen wird von den Themen Scheidung und Kampf um die Kinder dominiert. Hauptmerkmal hier: Praktisch alle Wunschzettel sind von einzelnen Vätern oder von Interessengruppen. Die Stossrichtung dieser Voten liegt auf der Hand: Gefordert wird primär das gemeinsame Sorgerecht.

Veröffentlicht am 23. Mai 2008