Ganz im Sinne der Gleichstellung gilt im Kanton Solothurn die Feuerwehrpflicht für Mann und Frau. Diese Pflicht hat Feuerwehrfrau Alexandra Stephan aus Egerkingen nicht nur gern, sondern auch ausgesprochen gut erfüllt. Dennoch wurde der 36-jährigen Heilpädagogin am 26. August 2004 mündlich gekündigt - von derselben Feuerwehrkommission, die sie innert weniger Jahre zum Wachtmeister befördert hatte. Grund für den Rausschmiss gemäss Protokoll: «Zunehmende private Probleme».

Und dies ist darunter zu verstehen: Die von ihrem Ehemann in Trennung lebende Alexandra Stephan und ein von seiner Frau getrennter Feuerwehrmann verliebten sich im vorletzten Sommer und taten dies wenige Tage später der Truppe kund. Über das Glück der Frischverliebten mochten sich aber nicht alle freuen: Insbesondere ein in «verwandtschaftlicher Beziehung stehender Kamerad» ihres Freundes, ebenfalls Brandhüter in Egerkingen, machte die junge Frau für das Scheitern von dessen Ehe verantwortlich. Zudem wurden Alexandra Stephan weitere «Verwicklungen» - wohlverstanden amouröser Art - unterstellt. «Das ist eine Frechheit und stimmt nicht», ärgert sich die Wachtmeisterin. «Solche Verleumdungen kann ich nicht akzeptieren.»

Bei ihrer Entlassung hatte Stephan um eine schriftliche Begründung und Stellungnahme gebeten, allerdings vergebens. Auch ein entsprechendes Einschreiben drei Monate später blieb unbeantwortet. Ein weiteres halbes Jahr zog ins Land, ohne dass die Kommission den Drang verspürte, der Bitte nachzukommen. Nach einem erneuten Schreiben Stephans trafen sich die Parteien ein Jahr später beim Friedensrichter - ohne Einigung. Ende Oktober 2005 beschied die Feuerwehrkommission Alexandra Stephan, dass wohl die Kündigung aufgehoben werde, sie aber dennoch weiterhin vom Dienst suspendiert bleibe. Zwar gehe das Privatleben der Feuerwehrfrau tatsächlich niemanden etwas an, doch sei die Feuerwehrkommission mit der Austrittsdrohung mehrerer Kadermitglieder konfrontiert gewesen.

«Willst du nicht schwanger werden?»

So ganz wohl bei der ganzen Sache scheint dem Feuerwehrkommandanten und Präsidenten der Kommission, Hanspeter Buchmüller, aber nicht gewesen zu sein: «Wir können nicht abstreiten, dass einzelne Feuerwehrmänner dem Dienst von Frauen in der Feuerwehr skeptisch gegenüberstanden und -stehen. Möglicherweise hat Ihre unbezweifelte Sachkompetenz negative Gefühle Ihnen gegenüber geweckt», schreibt er weiter - und bestätigte damit Stephans Verdacht, dass Chauvinismus, Frauenfeindlichkeit und Neid die Triebfeder für die Kündigung gewesen waren.

«Dass die Frauenwehrpflicht in der Feuerwehr einigen meiner Kollegen grundsätzlich ein Dorn im Auge ist, war mir schon lange klar», sagt Stephan. «Sprüche wie ‹Willst du nicht endlich schwanger werden, dann wären wir wieder eine reine Männerfeuerwehr› bekam ich regelmässig zu hören.» Sämtliche Feuerwehrfrauen der Gemeinde Egerkingen warfen jeweils nach kurzer Zeit den Bettel hin. Nicht so Stephan. «Ich war einfach gern Feuerwehrfrau und wollte mir die Freude am Dienst nicht durch dumme Sprüche vermiesen lassen.»

Seit dem unschönen Rausschmiss sind bald zwei Jahre vergangen. Eine Entschuldigung der Feuerwehr steht nach wie vor aus, Kommandant Hanspeter Buchmüller wollte auf Anfrage des Beobachters keinen Kommentar abgeben.

Quelle: Daniel Desborough
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