Florian Merz, 15, Schüler: «Öfter Streit als früher»

«Am wichtigsten sind mir zurzeit Schach, Skifahren und meine Rennmäuse – und mein bester Kollege. Mit ihm rede ich viel und gehe auch ab und zu mit ihm ins Seedammcenter in Pfäffikon SZ. Meist hängen wir in Computerläden rum und schauen uns neue Games an.

Vor etwa einem halben Jahr ist meine Stimme tiefer geworden, das merkt man deutlich. Sonst spüre ich die Pubertät nicht gross. Ich hatte schon zwei, drei Freundinnen, aber jeweils nur kurz – das vermisse ich nicht gross. Mit meiner Mutter habe ich öfter Streit als auch schon. Sie findet, dass ich zu viel fernsehe. Ich hingegen halte zwei Stunden TV gucken pro Tag für in Ordnung. Meist schaue ich mir Zeichentrickfilme wie ‹Die Simpsons› an.

Mein Vater, bei dem ich jedes zweite Wochenende bin, ist aber viel strenger als meine Mutter. Bei ihm muss ich immer Hausaufgaben machen und lernen. Er will, dass ich die Aufnahmeprüfung fürs Gymnasium schaffe. Und joggen muss ich auch mit ihm, obwohl das immer so streng ist. Im Winter will er mit mir langlaufen, aber das finde ich langweilig. Viel lieber würde ich snowboarden lernen. Ein grosses Problem ist meine Schwester, die wird immer bevorzugt. Vielleicht, weil sie ein Mädchen ist?»

Myrtha Steiner, 47, Sozialpädagogin: «Weder Fisch noch Vogel»

«Es sind kleine, alltägliche Dinge, mit denen mich mein Sohn Florian herausfordert. Ein Beispiel: Er kommt von der Schule heim und wirft den Turnsack achtlos hin. Die Frage ist: Wer räumt ihn aus? Wer gewinnt? Wenn ich selber gut drauf bin, kämpfe ich. Wenn nicht, gebe ich mich geschlagen.

Manchmal denke ich, ich müsste vielleicht strenger sein, ihm mehr Grenzen setzen. Etwa was seinen TV-Konsum betrifft. Florian könnte den ganzen Tag fernsehen, ich hingegen versuche, ihn zu mehr Aktivität zu motivieren. Aber daran erinnere ich ihn jeweils nur ein, zwei Mal – es stinkt mir, ständig mit dem Gleichen hinter ihm her zu sein, schliesslich ist es sein Leben.

Was mich nervt, ist diese gewisse Überheblichkeit, mit der er mir manchmal zu verstehen gibt, dass ich eh nicht drauskomme. Das trifft mich, aber meist schlucke ich meinen Ärger hinunter. Ich glaube nicht, dass er mich damit verletzen will. Jugendliche in diesem Alter kümmert es nicht, was sie mit ihrem Tun auslösen, da verhalten sie sich irgendwie archaisch. Ich denke, die Bezeichnung ‹weder Fisch noch Vogel› für Pubertierende trifft es genau. Auch bei Florian: Mal grenzt er sich ab, und dann zeigt er ein enormes Anlehnungsbedürfnis.»