Auch die Schweizerische Evangelische Allianz (SEA) will von der WM-Manie profitieren: Auf der ewigen Jagd nach neuen und vor allem jungen Schäfchen hat sie die jüngste Ausgabe ihres Vereinsblatts «4telstunde für Jesus» dem Highlight der internationalen Fussballwelt gewidmet. Wenig überraschend die Themenwahl: Der reuige, zu Jesus bekehrte Ex-Hooligan, -Skinhead und -Neonazi ist ebenso vertreten wie Pelés Ehefrau, die ihr nicht immer einfaches Leben mit dem Fussballgott nur dank ihrem Glauben an Gott meistert.

Ins Staunen kommt der geneigte Leser allerdings beim Editorial dieses Gratisblättchens, das diesmal über eine Million Mal aufgelegt wurde: Von der Spalte, die vollzuschreiben normalerweise dem Chefredaktor vorbehalten ist, lacht einem kein Geringerer entgegen als Köbi Kuhn, seines Zeichens Trainer der Schweizer Nationalelf.

Sympathisiert Köbi National mit der SEA, die erklärtermassen Schwulsein als Krankheit versteht, vehement gegen Abtreibung ist und Halloween als «Einstiegsdroge» für Okkultismus und Satanismus sieht? Gehört er gar zur Redaktion der Christenpostille?

«Nein, natürlich nicht, ich wurde hereingelegt», sagt Kuhn. «Zuerst meldeten sie sich als World Vision, dann hiess das Heft ‹4telstunde›. Der Beisatz ‹für Jesus› wurde wohl geflissentlich ausgelassen», ärgert sich der Nati-Trainer, der bekannt dafür ist, sich ausser zu Fussballbelangen wenn überhaupt, dann nur neutral zu äussern.

Fritz Herrli, Chefredaktor der «4telstunde für Jesus», sieht das viel pragmatischer: «Köbi Kuhn wurde angefragt, und er hat zugesagt. Der Text ist autorisiert», liess er auf Anfrage des Beobachters verlauten.

Der Schweizer Fussballverband und Köbi Kuhn erwägen laut Pressechef Pierre Benoit rechtliche Schritte gegen die SEA.

Quelle: Schweizerische Evangelische Allianz