Moosseedorf ist die jugendfreundlichste Schweizer Gemeinde – weil sie sich das Wohl der Jungen etwas kosten lässt. Was Gemeinderätin Verena Bachofner sagt, fällt auf in Zeiten grassierender Sparwut: «Wir müssen in die Jugendarbeit investieren, wenn es uns ernst damit ist.» Es ist ihnen ernst: Jährlich rund 200000 Franken fliessen in der Berner Agglomerationsgemeinde in jugendspezifische Leistungen, das Jugendsekretariat ist mit 140 Stellenprozenten dotiert – ungewöhnlich für ein Dorf mit 3400 Einwohnern.

Im Sekretariat werden verschiedene Aktivitäten für junge Einwohner vernetzt, und zwar «vorbildlich». Dies befand die Jury, die Moosseedorf den Pestalozzi-Preis 2004 verlieh. Der von einer breit abgestützten Trägerschaft (unter anderen Pro Juventute, Unicef) alle zwei Jahre ausgerichtete Preis belohnt Gemeinden für ihr Engagement, die Bedingungen von Kindern und Jugendlichen zu verbessern.

In Moosseedorf wurde in den letzten Jahren kontinuierlich ein breites Angebot in den Bereichen Freizeit (etwa eine Skateranlage) und Information (zu Suchtmitteln, Ernährung oder Gewalt) aufgebaut. Dabei wurden die Jugendlichen nach Möglichkeit einbezogen – nebst der Vernetzung die zweite Hauptanforderung zeitgemässer Jugendarbeit. «Wenn die jungen Leute das Gemeinwesen selber mitgestalten, identifizieren sie sich besser damit», umschreibt Gemeinderätin Bachofner den Gedanken. Am konsequentesten wird dies am «MOOrnSSEEDORFtag» umgesetzt: Einmal pro Jahr planen Jugendliche mit erwachsenen Entscheidungsträgern künftige Projekte.

Positiv gewürdigt werden im Bericht der Pestalozzi-Preis-Jury auch die jugendspezifischen Präventionsmassnahmen, die in Moosseedorf fest etabliert sind. Besonders innovativ: Seit 1997 hat die schnell wachsende Gemeinde eine Früherfassungskommission. Sie soll problematisches Verhalten von Jugendlichen, namentlich Gewalt und Sucht, früh erkennen und angemessen darauf reagieren.

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