Frage: «Wir sind konsterniert, traurig und wütend. Die Patin unserer sechsjährigen Tochter Sandra hat Ende letzten Monats per Brief dieses Ehrenamt gekündigt. Wir haben erfolglos ein klärendes Gespräch mit ihr geführt. Sie sagt, ihre Beziehung zu meinem Schwager sei zerbrochen. Deshalb wolle sie jetzt keinen Kontakt mehr mit unserer Familie. Wie bringen wir dies unserer Tochter bei? Sollen wir eine Ersatzgotte suchen?»

Koni Rohner, Psychologe FSP:
Ich verstehe Ihre Gefühle. Das ist wirklich eine traurige Geschichte. Ich bin der Meinung, dass eine Patenschaft im Grunde genommen genauso unkündbar ist wie die Elternschaft. Sie wird ja in der Regel auch bei der Taufe durch die Kirche errichtet. Die Patin drückt sich um ihre Verantwortung und bricht ihr Versprechen. Genauso wie geschiedene Eltern sollte jedoch auch sie klar unterscheiden zwischen der Beziehung zum Expartner und der Beziehung zum Kind. Ich würde ihr dies noch einmal ganz sachlich, aber deutlich darlegen und sie darauf hinweisen, dass das Mädchen leiden wird, wenn sie sich zurückzieht.

Wenn sie es trotzdem tun will, kann das wohl niemand verhindern. Dann sollten Sie jemand anderen suchen, der versprechen kann, diese Aufgabe bis zum 16. Altersjahr der Tochter zu übernehmen. Das Verhalten Sandra gegenüber ist klar: Sagen Sie ihr möglichst offen und klar die Wahrheit und zeigen Sie Verständnis für ihre Wut oder ihre Trauer. Ehrlichkeit ist Kindern gegenüber das beste Rezept.

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