Mir war gleich klar, was kommt, als sich neulich in der S-Bahn eine junge Frau neben mich setzte, die Handtasche durchwühlte und ihr Handy zückte. Nämlich: «Hoooi! Wo biiisch?» Ich versuchte sie zu ignorieren und mich meiner Zeitung zu widmen. Ging aber nicht.

Sie flötete viel zu ungezwungen und zu laut: «Klar ist es schön, wenn man für jemanden da sein kann und wenn man daheim sehnsüchtig erwartet wird. Vor allem am Anfang.» Ja, stimmt schon, dachte ich. Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben.

Doch da wurde nicht von einem neuen Lover, sondern von Haustieren gesprochen, die daheim auf Herrchen und Frauchen warten. «Im Vergleich zu Hunden oder Katzen sind Meerschweinchen aber keine Schmusetiere. Die erstarren vor Angst, wenn man mit ihnen schmust und sie streichelt», dozierte sie. Wusste ich nicht. «Und hast du gewusst, dass das neue Tierschutzgesetz vorschreibt, dass Wellensittiche oder Meerschweinchen nicht mehr als Einzeltiere gehalten werden dürfen? Geh mal auf www.tiererichtighalten.ch, dort steht das alles!» Was die alles weiss! Ist die Juristin? Oder Tierärztin? Nein, dafür war sie zu jung.

Um den Finger wickeln

«Wenn man einen Hund oder eine Katze kaufen will, muss man den Vermieter nicht fragen», referierte mein Gegenüber, «es sei denn, Tierhaltung ist im Mietvertrag ausdrücklich verboten oder von einer Bewilligung abhängig.» Bei Tieren mit hohem Gefährdungspotential werde aber in jedem Fall die Einwilligung des Vermieters benötigt. Beispielsweise bei Giftschlangen. «Oder bei Löwen», fügte sie kichernd an. Bei Löwen? Ich hab mich wohl verhört.

Jedenfalls dürfe man Hamster, Kanarienvögel oder Fische in jeder Wohnung halten. «Trotzdem muss man stets bedenken, dass man mit Haustieren ein erhöhtes Risiko für Schäden in der Wohnung hat – oder dass das Tier andere Viecher oder gar Menschen verletzen kann.» Deshalb würde sie eine gute Deckung durch eine Haftpflichtversicherung empfehlen.

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Und dann war der Akku offenbar leer. Sie zuckte die Schultern, lächelte mich an und sagte: «Ich werds ihr schon noch ausreden.» Sagte sie das jetzt zu mir oder zu sich selbst? Egal, meine Zeitung interessierte mich nicht mehr. Ich wollte wissen, wem sie was ausreden wollte.

Ihre ältere Schwester werde von ihren Kindern bestürmt, ein Haustier zu kaufen, erzählte sie mir. Der Siebenjährige drohe bereits mit Hungerstreik, wenn er keinen Hund bekomme. Und er verspreche hoch und heilig, täglich zwei Stunden Gassi zu gehen. Die Vierjährige werde sich bis zum 20. Geburtstag weder auf Weihnachten noch auf Geburtstage etwas wünschen, wenn sie dafür endlich einen jungen Löwen bekäme.

«Wissen Sie», sagte sie zu mir, «ich arbeite in einem Zoofachgeschäft und könnte ein Lied davon singen, wie Kinder ihre Eltern um den Finger wickeln.» Irgendwelche Versprechungen der Kinder würden oft zu überstürzten Tierkäufen führen. Viele Eltern kämen zudem aus dem gleichen Beweggrund ins Zoogeschäft, wie sie vor der Kasse im Supermarkt dem Kind noch einen Schleckstängel kaufen. Ein Tierkauf dürfe aber nie aus einer Laune heraus erfolgen: «Meinem Neffen ist heute ein Hund das Ein und Alles, morgen sind es dann wieder Fussballbildli.» Kinder leben im Hier und Jetzt, deshalb muss man als Eltern das Gequängel manchmal einfach aushalten.

Weil das Verantwortungsbewusstsein für ein Tier erst langsam wächst, müssen sich Eltern auch bewusst sein, dass die Verantwortung für ein Haustier am Ende immer bei ihnen liegt.