Familie Fleischli aus Bremgarten wollte einem heimatlosen Büsi ein schönes Zuhause bieten. Deshalb suchte sie sich in der Katzenpension Egli im aargauischen Dottikon für 120 Franken ein zwölf Wochen altes Kätzchen aus. Schon einen Tag später gings dem braunen Tigerli nicht mehr gut. Es zitterte am ganzen Körper und litt an starkem Durchfall.

Der sofort gerufene Veterinär ertastete Verhärtungen in der Bauchgegend. Kätzchen Sissi litt an einem Darmverschluss und konnte nur mit einer Notoperation gerettet werden. Belastend war die Prozedur ihres Lieblings auch für die vierköpfige Familie: Über 1000 Franken musste Vater Andres Fleischli dem Tierarzt für die Behandlung von Sissi auf den Tisch blättern. «Sissi war schon krank, bevor sie zu uns kam», ärgerte sich Andres Fleischli und wollte vom Beobachter-Beratungszentrum wissen, ob ihn das Tierheim über den Gesundheitszustand der Katze hätte aufklären müssen.

«Mangelfreier Kaufgegenstand»
Selbstverständlich hat das Tierheim eine Aufklärungspflicht. Das Obligationenrecht schreibt nämlich vor, dass der Verkäufer dem Käufer einen «mangelfreien Kaufgegenstand» schuldet. Obschon Tiere heute rechtlich gesehen keine Sachen mehr sind, gilt dieser Gesetzesartikel auch beim Kauf von Zwei- und Vierbeinern. Ohne anders lautende vertragliche Vereinbarung gilt eine Garantiefrist von zwei Jahren.

Wird das Tier in dieser Zeit krank oder treten alte Verletzungen auf, von denen der Käufer nichts wusste, hat er das Recht, einen Teil des Kaufpreises zurückzuverlangen oder sogar vom Vertrag zurückzutreten. Der Verkäufer haftet übrigens auch dann, wenn er die gesundheitlichen Probleme nicht gekannt hat.

Aber Achtung: Viele Heime schliessen mit den Tierfreunden gar keine Kauf-, sondern lediglich so genannte Übernahme- oder Platzierungsverträge ab. So auch die Katzenpension Egli. Der sprachlich kleine Unterschied hat juristisch weitreichende Konsequenzen: Durch den Platzierungsvertrag bekam Familie Fleischli ihre Sissi nämlich lediglich zur Pflege anvertraut, also geliehen. Rechtliche Eigentümerin und damit weiter verantwortlich für Sissi blieb das Heim. So sichert sich das Tierheim das Recht, ein Tier zurückverlangen zu können, sollte es am neuen Platz schlecht behandelt oder mangelhaft gepflegt werden. Laut Vertrag hätte Andres Fleischli sein Kätzchen also nicht selber zum Arzt bringen und Therapien anordnen dürfen, als sich gesundheitliche Probleme bemerkbar machten.

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Behandlung auf eigenes Risiko
Laut dem Kleingedruckten im Platzierungsvertrag hätte Fleischli die Eigentümerin informieren und die kranke Sissi sofort ins Heim zurückbringen müssen. Die Entscheidung, welcher Arzt zu welchem Preis welche Behandlung vornehmen soll, hätte dann einzig das Tierheim fällen dürfen. «Damit hätte ich das Leben der Katze aufs Spiel gesetzt», sagt Fleischli. «Das kam für uns natürlich überhaupt nicht in Frage.» Wer also wie Andres Fleischli ein bloss anvertrautes Tier aufwändig therapieren lässt, tut dies auf eigene Verantwortung und auf eigenes Risiko.

Erst recht schwierig wird es, wenn die Eigentümerin nicht erreichbar ist, das anvertraute Tier wie in Sissis Fall jedoch notfallmässig behandelt werden muss. Stimmt die Eigentümerin der Behandlung nachträglich nicht zu, bleibt wieder der Tierhalter auf den ganzen Behandlungskosten sitzen. Wer also ein Heimtier annehmen möchte, sollte den Vertrag gut studieren und sich ein genaues Bild über seine Rechte und Pflichten machen.

Für Fleischlis hat die Geschichte ein glückliches Ende gefunden: Zur Freude der ganzen Familie hat sich Katze Sissi von ihrer Krankheit prächtig erholt und freut sich an ihrem Leben. Andres Fleischli hat sich beim Tierheim beschwert und bekam immerhin 120 Franken zurückerstattet – so viel wie er für die Übernahme der Katze bezahlt hatte.